Schwentine-Cup 2019

Geschrieben von Hajo Massel

Die Regattasaison ist eröffnet!

Wie der eine oder andere weiß, gehören Conny und ich zu den wenigen SGE-Mitgliedern, die über ein eigenes Boot verfügen. Gekauft haben wir unsere Banner 30 "SUB DIVO" für meine Ostseerunde, die ich 2013 gesegelt habe. Meinen Blog zu der Reise findet ihr ebenfalls auf dieser Homepage.

Neben dem Tourensegeln lieben wir es auch, bei Regatten mit anderen um die Wette zu segeln. Unser Boot liegt in Kiel (Stickenhörn) und da bietet es sich an, dort an verschiedenen Vereinsregatten teilzunehmen, die in einer Jahreswertung – dem Förde-Cup – zusammengefasst sind.

Nach der aus unserer Sicht sehr erfolgreichen Platzierung im letzen Jahr – 5. Platz von 29 Teilnehmern mit mindestens 4 gesegelten Regatten – werden wir auch in diesem Jahr wieder an den Start gehen. Dabei bieten wir ambitionierten Mitgliedern und Freunden die Möglichkeit, in unserer Crew dabei zu sein und Regatta-Erfahrungen einzubringen bzw. zu erlangen.

Am 25. Mai 2019 ging es los.

Der SCHWENTINE-Cup, ausgerichtet vom PTSK in Kiel-Dietrichsdorf.

Am Samstagmorgen um 9:30 h fand die Steuermannsbesprechung statt. Rechtzeitig vorher sind Christina Kock und Karsten Ochs angereist, nachdem Conny und ich unsere SUB DIVO bereits am Freitagabend in die Schwentine verholt hatten. Inzwischen kennen wir einige regelmäßige Teilnehmer und so kommt es nach allgemeinen "Hallo, auch wieder dabei ?" gleich zur ersten Überraschung. Der Seriengewinner der letzten Jahre hat seine Dehler 29 (baugleich mit ARIELLE) verkauft und geht mit einer First 34.7 an den Start. Für uns ist das Klasse, weil wir bei gleichem Yardstick-Wert (101) immer in derselben Wertungsgruppe gesegelt sind und gegen ihn und seiner festen erfahrenen Crew keine Chance hatten.

Der Wettfahrtleiter gibt den abzusegelnden Regattakurs und die Gruppeneinteilung der 20 Teilnehmer bekannt. Gruppe 1 – Yardstick 76-99 – mit 9 Booten und Gruppe 2 – Yardstick 101 bis 114 und entsprechend 11 Booten, zu der wir gehören.

Kurs Schwentine Cup 2019Um 11:20 h ist unser Start im Mündungsbereich der Schwentine in die Kieler Förde. Etwa 30 sek. vorher werden wir, trotz Wegerecht, durch einen anderen Teilnehmer zu einer Wende gezwungen. Der Skipper entschuldigt sich und wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Eigentlich wollte ich in der Mitte der Startlinie starten. Nun sind wir weit rechts, auf Steuerbordbug, also ausweichpflichtig. Nicht gut. 10 sek. vor dem Start öffnet sich eine Lücke. Wir wenden zurück auf Backbordbug und segeln schließlich wieder mit Wegerecht wenige Augenblicke nach dem Startsignal über die Linie. Erste Wendemarke WP  ist die grüne Tonne K3 vor dem Yachthafen Düsternbrook. Zu meiner großen Freude können wir auf ⅔ der Strecke direkt anliegen. Erst als wir in den Windschatten des Düsternbrooker Gehölzes kommen, schralt der Wind. Wir müssen abfallen und schließlich Wenden, um um die Tonne zu kommen. Vor uns eine Albin-Express und in Innenposition ein oder zwei andere Boote. Es geht auf die lange Strecke hinaus zur Außenförde. Bei dem anhaltenden Westwind mit 16 bis 20 kn Windgeschwindigkeit verspricht der Kurs eigentlich rasantes Segeln. Aus diesem Grund hatte ich mich für unser neues Großsegel ungerefft und die große Genua entschieden - also Vollzeug und damit eigentlich schon etwas "überpowered". Aber so richtig auf Speed sind wir trotzdem nicht gekommen. Die zwei anderen Boote von der Wendemarke hatten wir zwar schnell überholt, aber die Express vor uns hat uns echt Sorgen bereitet. Mal waren wir auf Tuchfühlung, dann wieder 30-50 m dahinter. Währenddessen kam weiter in Lee die RUJO, eine Artekno H323, auf, mit der wir uns im vergangenen Jahr häufig gematcht haben.

Derzeit befindet sich zwischen Leuchtturm Friedrichsort und Laboe ein Sperrgebiet, das nicht befahren werden darf. Ich hatte deshalb schon früh einen etwas höheren Kurs eingeschlagen als die Express. Jetzt mussten unsere beiden direkten Konkurrenten Höhe ziehen und wurden dadurch etwas langsamer. Wir übernahmen die Führung - Shakka! Das mussten wir auch, denn neben einer X79 haben wir den geringsten Yardstickwert und müssen allen anderen gegenüber Zeit vergüten.

Endlich fuhren wir den Speed, den ich erwartet hatte und konnten uns etwas absetzen. Ich wollte auf direkten Weg zur Tonne 4 der Außenförde, bis uns auffiel, dass wir zunächst um Tonne 5 WP  mussten. Dieses Mal mussten wir anluven und wurden etwas langsamer, aber der herausgesegelte Vorsprung reichte aus und vergrößerte sich dann noch, bevor wir schließlich die Tonne 4 WP rundeten. Von dort ging es auf die Kreuz, ein mal quer übers Fahrwasser zur Tonne 3 WP . Die Teilnehmer von Startgruppe 1, die 10 min. vor uns gestartet sind, kamen uns entgegen, denn nach Rundung der 3 ging’s für alle vor dem Wind zurück zur 4.

P5110509Für die Kreuz hatten wir die Fock unter Deck zurechtgelegt, wollten aber erst mal ausprobieren, ob wir auch bei 5-6 Bft. mit Vollzeug die 1,4 sm einigermaßen abreiten könnten. Wahrscheinlich hätten wir mit der Fock 5-10° mehr Höhe laufen können, aber Segel bergen, die Stagreiter der Fock anschlagen und sie anschließend setzten, dauert. Ich war trotz meist geöffnetem Groß mit Kurs und Speed ganz zufrieden und so behielten wir die gewählte Garderobe oben. Vor dem Wind sind wir dann gekreuzt, um die Abdeckung der Genua durch das Groß möglichst gering zu halten. Den Spi hatte ich vor der Wettfahrt abgemeldet, weil mir das Handling bei dem angesagten Wind und unserer nicht eingespielten Crew zu riskant erschien.

Von Achtern kam die Express unter Spi wieder auf und rundete zeitgleich mit uns die Wendemarke WP . Es ging noch einmal an die Kreuz zur Tonne 3 WP , bei der wir die ersten Boote der Startgruppe 1 überholten und wieder einen erfreulichen Abstand zur Express herausgesegelt haben. Ein weiteres Mal führte unser Kurs nun vor dem Wind zur Tonne 4 WP . Da die Böen etwas moderater ausfielen, wollten wir dieses mal Schmetterling segeln. Leider hatte ich es versäumt, in die Technik unseres Spibaumes einzuweisen, so dass wir mehr als die Hälfte der Zeit brauchten, bis das Segel stand. Wieder war die Express unter Spi aufgekommen und mit ihr auch wieder die RUJO.

Der weitere Kurs führte uns zurück in die Innenförde. Wir segelten aufgereiht wie eine Perlenkette an der Küste von Laboe hintereinander her. Da sahen wir die Sperrgebietstonnen, in Luv. Shit. Wir wendeten und riefen unseren Konkurrenten zu, dass wir nicht durch Sperrgebiet segeln dürfen. Sie hielten unbeirrt ihren Kurs bei, und nicht nur sie, auch alle anderen nachfolgenden Boote. Verunsichert haben wir unseren Kurs außerhalb des vermeintlichen Sperrgebietes fortgesetzt. Was tun? Gegen alle protestieren? Kann ja irgendwie auch nicht sein, dass alle unter Land längssegeln, als sei nichts zu befürchten. (Später habe ich mich aufklären lassen: Das Sperrgebiet führte tatsächlich nicht bis ans Ufer…).

Ich habe versucht, die Problematik aus unseren Köpfen zu vertreiben und uns wieder aufs Segeln zu konzentrieren. Durch unsere luvwärtige Position konnten wir gegenüber den anderen einen tieferen und schnelleren Kurs laufen und setzten uns Höhe Kitzeberg wieder an die Spitze des Feldes. Jetzt mussten wir noch um die Tonne K4 WP und 'rüber in die Wik zur Regattatonne SVK WP beim Yachthafen Wik. Trotz der vollen Besegelung konnten wir auf dieser Kreuz unseren Vorsprung etwas vergrößern und liefen nach der Rundung nahe dem Ufer der Kiellinie, der letzten Wendemarke K3 WP entgegen. Unter Land war der Wind eine Katastrophe. Mal von vorn, mal von Backbord und dann wieder von dort her, woher er eigentlich kommen sollte - schräg achterlich von Steuerbord. Unsere Verfolger hielten mehr Abstand vom Ufer und hatten weniger Probleme. Dennoch, wir überquerten schließlich als erste die Ziellinie und hatten 2:09 Minuten Vorsprung vor der RUJO und 3:44 Minuten vor der etwas zurück gefallenen Express. Echt spannend!

P5110515AWieviel unser Ergebnis "First-Ship-Home" wert war, stellte sich dann am Abend bei der Preisverteilung nach dem sehr guten Regattaessen - Bratkartoffen mit Grillfleisch und Bratgemüse - heraus. In der Wertungsliste waren wir sechste von 11. Allerdings wurde unser Yardstick nach Abmeldung des Spi’s nicht korrigiert. Nach Korrektur kamen wir immerhin auf Platz 4 in unserer Gruppe und Platz 7 über alles. Je nachdem, wie viele der vor uns liegenden Crews am Fördecup teilnehmen, dürften wir damit mit einer zufrieden stellenden zweistelligen Punktzahl in die Fördecup-Wertung eingehen. Unsere Ergebnisse könnt ihr unter http://www.foerdecup.de/_seiten/ergebnis.html verfolgen.

Als nächstes steht ein Himmelfahrts-Pfingsttörn gemeinsam mit der ARIELLE auf dem Programm und dann folgen die Ærø-Rund-Regatta am 14.-16. Juni und die Aalregatta am 22. + 23.Juni.

Ich werde berichten.

Ahoj
Hajo

 

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