Rund Ærø, A.S.'s Bericht

10.-12. Juni 2016

Eine Nordratte im Taumel. Meine erste Nachtregatta - ein ganz besonderes Erlebnis.

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Der erste Blick auf die Förde Richtung Schilksee ist überwältigend. 140 Segelyachten tummeln sich an der Startlinie – es erinnert mich an einen Volkslauf. Einige laufen sich warm, andere dehnen sich gedankenverloren und dann gibt es noch die Profis. Voll ausgestattet und fokussiert auf ihr Rennen - als gäbe es nichts anderes. Der Wind spielt mit der Wasseroberfläche und lässt kleine Wellenspiele zu, das dunkle des Himmels und die Spiegelungen auf dem Wasser verstärkt den Eindruck von Tiefe.

Bereits nach einigen Minuten ist es wie im Taumel. So schön ist es! Nach dem Startschuss wird man langsam wach. Während Olli sich eine gute Ausgangsposition sucht, Katja auf ihrem iPhone mit ihrer neuen NaviApp kämpft und Rolf seelenruhig die Segel trimmt – staune ich über das imposante Schauspiel auf dem Wasser. Die Stimmung in der Crew ist toll. Vergessen durften wir keinesfalls Rasmus. Ihm gebührt ein kräftiger erster Schluck. Dieses Ritual trägt immer zu einer ersten Bestandsaufnahme der allgemeinen Laune bei. Apropos Wind: er war uns abhandenkommen, vielleicht hätten wir mal am Mast kratzen sollen? Ob mit dem Finger, einem rostigen Nagel oder einem Messer bleibt einem überlassen. Vielleicht hätte es etwas genützt… aber wer weiß das schon?

anja2Jedenfalls wurde die Bahn von der Regattaleitung verkürzt und die direkte Route nach Ærø/Marstal gesegelt. Stille. Meer. Dunkelheit. Vor uns lagen 29 sm. Eigentlich nicht besonders viel, wenn da nicht das laue Lüftchen gewesen wäre. Eine kleine Fock machte uns natürlich auch nicht schneller. Es waren keine Wachablösungen und -einteilungen nötig. Jeder übernahm wie selbstverständlich Aufgaben. Ausschau halten nach Lichtern, die zu anderen Yachten gehörten, unbeleuchtete Tonnen entdecken und einigermaßen Kurs halten. Gegen 4:30 Uhr hatten wir Marstal erreicht und an einem schönen Platz direkt neben HaJo's Sub Divo angelegt. Kurzer Klönschnack und ab in die Kojen. Erstmal schlafen…

Einen entspannten Ausklang des Tages finden wir mit Plantschen im Meer, im Cockpit abhängen und auf das Buffet in der hiesigen Sporthalle zu warten. Nach kurzer Abstimmung wechselten wir noch das Vorsegel und hissten die Genua. Für Sonntag war achterlicher Wind vorhergesagt. Bereit für einen neuen Tag dachten wir, dass es an diesem Wochenende keine Steigerung an imposanten Bildern gäben könne, mussten wir uns am Morgen eingestehen - da geht noch meer. 140 Yachten verlassen zeitgleich den Hafen. Rushhour im Hafenbecken. Es war unbeschreiblich. Die Nordratte zeigt sich einigermaßen beeindruckt. Wir segeln in aller Gelassenheit zurück nach Kiel, lassen Regatta einfach Regatta sein und schauen uns das Schauspiel vorn vorne an. Eine Armada an bunten Spi-Segeln rauscht auf uns zu.

Ein tolles Wochenende - nächstes Jahr wieder!!