08. Juni - Auf dem Weg nach Wladislawowo

06 02 Alles klar zum Spi setzenHäufig werde ich gefragt, wie schnell segelt man eigentlich?

Nun, das hängt von vielen Faktoren ab. Der Wind ist der wesentliche. Kommt er von vorn, müssen wir im Zick-Zack gegenan kreuzen. Das verlängert die Fahrstrecke natürlich. Außerdem verstärkt sich die Windstärke dadurch, weil der Fahrtwind zum wahren Wind hinzugerechnet wird.

Genau anders herum ist es bei Wind von hinten. Hier hebt sich der Fahrtwind mit dem wahren Wind manchmal geradezu auf. Auf jeden Fall segeln wir dann mit weniger Wind als beispielsweise an Land gemessen. Aber das kennt ihr ja genau so vom Fahrradfahren. Was die wenigsten wissen, ist, dass Segelboote am schnellsten sind, wenn der Wind schräg von hinten oder von der Seite kommt. Hat man das Glück, dass die Windrichtung zum geplanten Zielort passt, bekommt jeder Segler leuchtende Augen.Der Spi ist gesetzt

Neben den Kurs zum Wind ist natürlich die Windstärke maßgeblich. Bei 1 bis 2 Bft. dümpelt man übers Wasser. Die Segel schlagen durch die Wellenbewegungen. Man kommt kaum vorwärts und kann auch nichts dagegen tun. Das nervt. Ab 2-3 Bft. kommt man so langsam in Fahrt. 3 und 4 Bft ist Bilderbuchsegeln und ab 5 Bft. wird es anspruchsvoller und auch anstrengender. Ab 7 Bft. hält sich der Spaßfaktor deutlich in Grenzen. Wobei ich hier immer vom scheinbaren Wind spreche. Wahrer Wind 7 von achtern ist fast noch harmlos, von vorn schon echter Kampf. Um dennoch das Spektrum von 3 bis 6 Bft. voll nutzen zu können, haben wir verschiedene Möglichkeiten, die Segel den Windbedingungen anzupassen. Wir können die Wölbung im Segel verändern und dadurch die Segeleigenschaften beeinflussen. Außerdem können wir bei zunehmenden Wind die Segelfläche verkleinern oder schlichtweg kleine Segel setzen.

Zur Zeit segeln wir mit achterlichen Wind mit 2-3 Bft. Es ist heiß. Die Sonne brennt. Wind spüren wir kaum, weil der Fahrtwind von 3,5 kn den wahren Wind von 6 kn fast neutralisiert. Wir haben den Spinnaker (Spi) gesetzt – ein leichtes und sehr großes Segel für achterlichen Wind. Gerade habe ich ein ausgiebiges Sonnenbad auf dem Vordeck genossen. Es ist schön, auf dem Rücken zu liegen und in die Segel und den blauen Himmel zu sehen. In den leichten Wellen schaukelt es sich gemütlich und beruhigend, wie in einer Kinderwiege. Leider lässt der Wind nach. Gleich werden wir den Spi bergen und die Maschine starten. Das Gedröhne nervt zwar, ist aber immer noch besser, als in der Flaute zu verhungern bzw. zu verdorren.

06 04 SUB DIVO in WladislawowoNun aber zurück zu meiner Eingangsfrage. Ich vergleiche die Geschwindigkeit eines Segelbootes gern mit der eines Joggers. Ab 5 Knoten (kn) Fahrt macht segeln Spaß. Das sind etwa 9,5 km/h oder ca. 6:30 min/km. Nicht umsonst haben wir SGE-Segler unsere Staffel beim Hamburg-Marathon „5 Knoten Minimum“ genannt. 3-4 kn Fahrt ist unter bestimmten Bedingungen zu ertragen, aber darunter ist es Folter. Alles über 7 kn ist einfach nur noch geil. Die Geschwindigkeit eines Segelbootes wird auch durch die Größe, das Gewicht und die Bauform bestimmt. Unsere SUB DIVO hat eine Rumpfgeschwindigkeit von etwa 7 kn. Diese Geschwindigkeit erreichen wir – im Gegensatz zu anderen Bootstypen – recht schnell. Auf unserer ersten Etappe sind wir bei viel Wind von schräg achtern durchschnittlich 7,5 kn gesegelt. Das war super. Spitzenwerte lagen bei 12,5 kn. Das Boot ist dann im Gleiten, meist wenn wir eine große Welle hinunter surfen. Im Regattamodus wären bei den Bedingungen sicherlich 10 kn im Schnitt möglich, das ist dann aber schon großer Sport.

Bei dieser Reise geht aber nicht darum neue Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen – auch wenn ich mich sehr daran begeistern kann...

Wladislawowo ist in Sicht. Ich muss zurück an Deck. Morgen soll es weiter nach Danzig gehen.06 Auf dem Vordeck liegen und in die Segel schauen

 

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