09. Juni - Russisches Militär und traumhaftes Segeln

07 03 Spi Segeln

Es ist Sonntag. Wladislawowo war ziemlich enttäuschend. Die Steganlage für Yachten im Fischereihafen ist zwar recht gut, dafür gibt es aber kaum nennenswerte Sanitäranlagen, und die sind auch noch verschlossen, wenn der Wachtmann am Zufahrtstor Dienstschluss hat. Im Ort war auch tote Hose. Samstag abend, super Wetter, endloser Strand: scheint hier kaum jemanden zu interessieren. Schade eigentlich. So bleiben die Segler unter sich, obwohl wir zu den polnischen bisher keinerlei Kontakt bekommen haben.

Ein paar Boxen weiter hat eine X-99 festgemacht. 07 05 Das Denkmal auf der WesterplatteDer Skipper kommt vom Bodensee und macht – genau wie ich – eine 3-monatige Ostseerunde, mit wechselnden Crewmitgliedern. Er ist allerdings schon Pfingsten los, und hatte bisher mit viel schlechtem Wetter zu kämpfen. Außerdem ist er bei der Einreise nach Polen auf See von der Küstenwache gestoppt worden. Und, was noch viel krasser ist: Auf seinem Weg von Danzig nach Klaipéda ist er im dichten Nebel durch russische Kriegsschiffe aufgefordert worden, sofort für die nächsten 18 sm auf Kurs 230° zu gehen. Dieser Kurs führte ihn geradewegs nach Hel – also zurück Richtung Danzig. Dort fragte er die Küstenwache, ob sie etwas von einem russischen Seemanöver wüssten. Njet. Nichts. No Information. Dabei befand er sich nachweislich außerhalb der russischen 12-Meilen-Zone. Ein Blick auf die Seekarte zeigt allerdings, dass es einen russischen Sektor bis etwa 50 sm in die Ostsee hinein gibt. Er ist deshalb zurück nach Wladislawowo gesegelt, um von dort diesen Sektor ggf. zu umfahren.

Wir hoffen jetzt natürlich, dass wir nicht auch von der russischen Marine "aufgebracht" werden. Immerhin könnte man SUB DIVO durch die hellgraue Lackierung für ein Marineschiff halten! Erst mal geht es aber nach Danzig. Um 9:40 h legen wir ab und setzen 10 Minuten später das Groß und den Spi. Der Wind kommt aus Nord-Nord-West mit 3 Bft. Perfekte Segelbedingungen mit Wind von Achtern. Kaum Welle und Sonne satt. Wobei wir uns durch die Segel allerdings den ganzen Tag selbst verschatten. Schnell wechseln wir die kurzen Hosen gegen Lange und das Polo-Shirt verschwindet unter warmen Vliesjacken. Wir segeln mit erbaulichen 6,5 kn längs der Nordküste der Halbinsel Hel und schließlich in die Danziger Bucht.07 08 Ankunft im Danziger Stadthafen

Während wir auf der freien See nur wenigen Segelyachten begegnet sind, wird hier fleißig gesegelt. An der Küste bei Sopot können wir mehrere Jollen-Regattafelder ausmachen und auch „Dickschiffe“ cruisen überall herum. Wir halten uns streng außerhalb der Grenzen der Verkehrstrennungsgebiete bzw. queren es im vorgeschrieben rechten Winkel. Die Polen kümmern sich nicht so sehr darum. Große Schiffe sind allerdings auch nur wenige unterwegs. Kurz vor der Westerplatte, der Einfahrt zum Danziger Hafen, bergen wir die Segel und fahren unter Maschine das Neufahrwasser und die Modlau hinauf, bis ins Zentrum von Danzig. Die dortige Marina befindet sich gleich gegenüber vom bekannten Krantor, also direkt im Herzen der Altstadt – oder korrekter: der Rechtsstadt. Auf Google-Earth könnt ihr den Hafen etc. gut von oben sehen. Im touristischen Zentrum gehen wir am Abend essen und zahlen dafür fast hamburgische Preise.

Billig-Polen scheinen wir hinter uns gelassen zu haben.

 

Voriger Tag | Übersicht | Nächster Tag

Anmeldung