11. Juni - Schabernack ?

Dienstag. Nachdem wir Danzig zu Fuß, per Golf-Car und per Fähre fast 2 Tage ausgiebig besichtigt haben – Marienkirche mit Turmbesteigung, Solidarnocz-Denkmal an der ehemaligen Lenin-Werft, Frauengasse, Schifffahrtsmuseum, Museumsschiff SOLDEC, das Krantor und natürlich eine kleine Privatbrauerei – machen wir uns am Dienstag nachmittag seeklar und starten den großen Schlag nach Klaipéda. Der Weg führt uns außerhalb des 12 sm breiten Küstenstreifens, der zum Hoheitsgebiet der russischen Enklave Königsberg gehört. Von daher also durch internationale Gewässer.

Klaipedas tanzenden TürmeWenn da nicht die Schießgebiete der Russen liegen würden, wäre das auch kein Problem, aber nach der Story des X-99 Seglers aus Wladislawowo sind wir doch ganz schön aufgeregt und nehmen soviel Abstand wie es der Nord-West-Wind gerade zulässt. Die anfänglichen 3 Windstärken bringen uns gut voran. Leider nimmt er langsam aber sicher ab. Als ich mich nach einem kurzen Nickerchen kurz vor Mitternacht klar für meine Wache mache, dümpelt SUB DIVO mit weniger als 2 kn bei einer Windstärke dahin. Ist ja nett, dass Jörg meinen Schlaf nicht durch den Maschinenlärm stören wollte, aber so kommen wir nie in Klaipéda an.

Im Internet hatte ich mich noch kurz vor der Abreise erkundigt, ob Schießübungen geplant sind. Gemäß "Nachrichten für Seefahrer" sind die Gebiete ab dem 14. Juni wieder gesperrt und bis dahin wollte ich hier nicht länger rumtreiben. Also, Vorsegel runter, Maschine an und weiter. Um 1:00 h überqueren wir die Grenze des Schießgebietes. Am Horizont sind ein paar Schiff auszumachen. Bewegt sich das da nicht auf uns zu? Nach Norden ist es immer noch nicht ganz dunkel. Die Schiffe sind südöstlich von uns. Ich glaube nicht, dass sie unser kleines Topplicht gegen das "Abendrot" sehen können. Weiter. Die anderen Schiffe ziehen ihre Bahn. Gemäß AIS (Automatischen Schiffs-Identifizierungs-System) sind sie alle meilenweit entfernt. Aber: Schalten russische Kriegsschiffe / Patrouillenboote ihr AIS-Signal ein? Und was ist mit den Positionslichtern? Plötzlich sehe ich vielleicht 1-2 Meilen hinter uns ein rotes Licht aufblinken. Da wieder, und noch ein paar mal. Eigentlich hat Hans jetzt Wache, aber ich finde es viel zu aufregend um mich hinzulegen. Statt dessen legt sich Hans wieder hin. Habe ich geträumt? Das rote Licht ist weg. Alles läuft seinen Gang. Die Maschine tuckert, der Autopilot hält uns auf Kurs.Kurs NNO 128 sm

Es ist Nacht, kurz vor oder nach Neumond. Das habe ich mir immer gewünscht: mal nachts auf See sein und unendlich viele Sterne sehen, ohne störende künstliche Beleuchtung. Dumm nur, dass ich mich kurz vor Mittsommer Richtung Norden bewege. Der Lichtschein, der langsam weiter nach Nordosten wandert, ist zu stark um mehr als die altbekannten Sternbilder zu sehen. Um 2:30 h kommt Hans wieder hoch. Ich erzähle ihm von dem Licht und wenig später taucht es wieder zwei-drei-mal auf. Dann verschwindet es wieder. Dafür zeigt unser Echolot plötzlich statt der hier üblichen mehr als 100 m Wassertiefe nur noch 7-9 m an. Spinnt unser Lot? Nach ein paar Minuten ändere ich unser Kurs – und: wir haben wieder 108 m Wassertiefe. Hat jemand eine Erklärung? Ich bin davon überzeugt, dass da ein U-Boot-Fahrer einen fiesen Schabernack mit uns getrieben hat. Aufgrund der Dunkelheit konnten wir nichts unter Wasser sehen. Alles nur Schwarz, mit ein paar Lichtreflexen vom "Abendrot" auf den kleinen Wellen. Das Wellenbild selbst ist völlig normal.

Noch 30 Minuten, bis wir das erste Schießgebiet wieder verlassen. Dort können wir gleich 3 Schiffe ausmachen. Oh Mann, werden wir jetzt, wo wir fast durch sind, doch noch aufgebracht? Ein Boot kommt uns entgegen. Wir sehen das weiße "Dampferlicht" und weit unten ein gutes Stück davor eine rote Backbord-Laterne. Das ist ganz klar eine Segelyacht! Sie hält Kurs Südwest, Richtung Polen. Die anderen Schiffe erweisen sich wenig später als Fischtrawler, die genau auf der Grenze des Schießgebietes auf Fischfang sind. Wer weiß, was sie innerhalb des Gebietes alles auffischen würden. U-Boote vielleicht? Kurz vor Sonnenaufgang um 3:00 h löst uns Jörg ab. Als ich um 7:00 h wieder zur Wache antrete, nickert sich Hans gerade durch seine Wache.

Solidarnocz DenkmalAus Südwest steht eine leichte Brise, also genau von achtern. Spi-Wind! Ohne lange zu zögern treffe ich alle Vorbereitungen und 10 Minuten später steht unser lichtgraues Ballon-Segel. Maschine aus. Ruhe kehrt ein. Bis 15:30 h hält der Wind durch, dann wird er zu schwach und wir legen die 2,5 Stunden mit Maschine zurück. In Klaipéda, dem früheren Memel, machen wir im Kastellhafen fest. Dieser befindet sich im frühren Festungsgraben der Memelburg. Alles ist relativ neu und macht einen gepflegten Eindruck. Ein guter Platz für ein paar Hafentage. Heute, Donnerstag, habe ich Hans und Jörg per Fähre und Bus nach Nida geschickt. Ich selbst will dort mit Martin hin, der am Samstag hierher kommt. Außerdem ist heute Wäsche-Wasch-Tag, Geld-Kaufen-Tag und Blog-Tag. Morgen werden wir Klaipéda besichtigen und am Abend werde ich Hans und Jörg dann zur Fähre nach Kiel bringen.

 

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