24. Juni - Riga

Es ist Montag. Eigentlich habe ich ja versucht, in meinen Berichten die Erlebnisse während des Segelns in den Vordergrund zu stellen. Bei Riga muss ich aber eine Ausnahme machen. Die Stadt ist einfach nur geil. Unbedingt bald mal hinfahren! Ich hatte gar keine Vorstellung, was mich in Riga erwartet. Wie soll schon eine Stadt aussehen, die jahrzehntelang am Rande der Sowjetunion lag? Endlose Plattenbau-Vorstädte, dem Verfall preisgegebene Altbauten, Industriebrachen – eigentlich so ein bisschen wie Ost-Berlin 5 Jahre nach der Wende.

Altstadt RigaJohanni Feuer auf der Fanmeile
Tatsächlich ist nicht alles auf Hochglanz poliert, aber genau das macht doch eine Altstadt erst richtig aus. Hervorragend sanierte bzw. wiederaufgebaute Gebäude wechseln sich mit etwas herunter gekommenen Altbauten und wohltuend wenigen „modernen" Neubauten ab. Überall findet man kleine verwinkelte Gassen, geht durch Torbögen auf Kopfsteinpflaster und kommt aus dem Staunen nicht wieder heraus, wenn eine wunderschöne Jugendstilfassade ins Blickfeld wandert. Ich wusste gar nicht, dass Riga mehr Jugendstilgebäude hat, als Wien und Paris zusammen! Aber auch die vielen Parkanlagen, Bäume, Plätze und Kunstwerke am Wegesrand sind beeindruckend.

Mittsommer DekoDas tollste aber sind die Menschen. So viel Lebensfreude und Fröhlichkeit bin ich bisher nur selten begegnet. Gut, wir hatten mal wieder erstklassiges Wetter, Sonnenschein von 3:30 h bis 22:30 h, laue Abendluft Jugendstil in Rigaund den ganzen Tag eine leichte Brise, die die 25-30°C Lufttemperatur stets sehr angenehm machten. Dazu kamen die Feiern zum Mittsommerfest, welche die Menschen in Scharen auf die Straßen und in die Cafés, Restaurants und Bars lockte. Dabei warfen sich vor allem die Frauen unglaublich in Schale. Ich glaube ich habe noch nie so viele, ausgesprochen hübsche, gut gekleidete und überwiegend schlanke Frauen gesehen. Auch Conny, die am Samstag Martin als Crewmitglied abgelöst hat, konnte sich an der Vielfalt und Eleganz der Kleider gar nicht satt sehen. Sogar die Männer waren überwiegend gut gekleidet ☺. (Laut Ansage bei der Stadtrundfahrt gibt es in Riga einen großen Frauenüberschuss...).

Und dann die Musik! Überall war fröhliche Musik, und oft haben die Menschen einfach mitgesungen. Die Letten gelten als sehr sangesfreudiges Volk. Nächstes Wochenende findet ein großes Musikfest statt, zu dem 100.000 Sänger erwartet werden. Bei gut 2 Mio. Letten insgesamt (ca. 700.000 davon in Riga) eine unglaublich hohe Quote. Das Sängerfest ist sogar in die Liste der UNESCO für Kultur aufgenommen worden. Einen Vorgeschmack konnten wir beim großen Mittsommer-Fest am Ufer der Daugava miterleben. Man kann sich das wie beim Public-Viewing am Brandenburger Tor vorstellen. Zig-Tausende Menschen jeden Alters kommen auf einer großen 6-spurigen Straße zusammen. Von der Live-Bühne werden die Auftritte der lettischen Musiker-Elite auf Video-Leinwände übertragen. Egal ob Volkslied (überwiegend) oder Pop / Rock im Stile vom ESC: alle sind am Singen und Tanzen. Oder ein anderes Beispiel: In der Nacht zuvor sind wir auf dem Weg zurück ins Hotel durch die Altstadtgassen geschlendert. Vor einer alten Kirche spiele ein Frau Gitarre und sang mit einer unglaublich schönen Stimme die Gassenhauer von Simon & Garfunkel.

Gänsehaut-Romantik pur.

 

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