29. Juni - Zweistellig !

What a beautyfull Day!!!

Weist BescheidDonnerstag mittag wollen wir los, aber der Hafenmeister ist gerade nicht da. Beste Gelegenheit, doch noch schnell zur Tankstelle zu laufen und einen Kanister Diesel wieder aufzufüllen. Kaum bin ich zurück, ist auch Oskar wieder da. Während ich SUB DIVO segelklar mache, zahlt Conny das Hafengeld. 20 € pro Nacht sind nicht gerade wenig, aber scheinbar üblich. Wie es hier auch üblich ist, fragt Oskar, wohin denn die Reise gehen soll. Das fällt in meinen Zustängkeitsbereich und Conny ruft mich. Koiguste ist geplant. Oskar schüttelt nur den Kopf. Der Hafen ist schon vor Jahren durch einen Sturm zerstört worden. Dort gibt es keinen Anleger und auch sonst nichts mehr. Wir beratschlagen, welche Alternativen zur Verfügung stehen. Kuivastu hat seit ein paar Jahren einen Hafen, gleich neben dem Fähranleger. Das ist eigentlich das Ziel für Freitag. Oskar meint, es gibt noch einen neuen Hafen. Lounaranna, auch auf der Insel Muhu, und gibt uns gleich einen Prospekt mit genauen Positionsangaben der Ansteuerungs- und Fahrwassertonnen.

Im Yachtclub HaapsaluWir machen uns auf den Weg. Am Vormittag war es noch stark bewölkt und dunkle Wolken zogen an uns vorbei. Kaum sind wir auf dem Wasser, kommt die Sonne wieder raus. Dazu ein wunderbarer WSW-Wind mit 4 Bft. Schon in der Rinne vom Hafen in die Bucht können wir segeln. Erst mal nur mit dem Großsegel, 45° am Wind. Wir laufen 6 kn. Dann können wir abfallen und setzen im freien Wasser die Genua dazu. Mit Rauschefahrt geht es um verschiedene Untiefentonnen, bis wir östlich von Abruka auf Kurs 60°, also ONO, gehen können. Der Wind kommt fast genau von achtern. Die Genua haben wir nach Backbord ausgebaumt das Großsegel steht auf Steuerbord und ist mit einem Bullenstander gesichert. Wir laufen um die 7 kn, manchmal überschreiten wir auch die 8 kn-Marke. Conny und ich schauen uns an. Mit Spi würde fast immer die 8 stehen. Wir wollen es wissen. Keine 10 Minuten später setzen wir die graue Blase und fabrizieren erst mal eine Eieruhr. Shit. Also, wieder runter, das Teil klarieren und wieder hoch. Während Conny steuert und den Achterholer dicht holt, stehe ich am Fall und ziehe das Segel in die Höhe. Kaum kommt ein Liek aus den Windschatten des Großsegels, füllt sich das Tuch. Jetzt übernehme ich den Achterholer und die Schot.

Wir laufen auf Anhieb 8,5 kn. Der Tiefflug beginnt. Je weiter wir aus der Abdeckung der Inseln kommen, um so höher wird die Welle, am Ende sind es knapp 1 m. Nicht wirklich viel, aber es reicht, um sich die Wellen zunutze zu machen. Conny meint, es sei wie mit unserem alten VW-Bus in den Kasseler Bergen. Mit Schwung den Berg runter und hoffen, den nächsten Berg gut wieder hochzukommen. Erwischen wir eine große Welle im besten Winkel und kommt dann noch eine Böe dazu, geht’s richtig ab. Erst überschreiten wir die 9 kn-Marke, dann fällt die 10. Spitzenwert war 10,6 kn! Ein irres Feeling! Das macht richtig Spaß!

Haapsalu

Am südöstlichen Zipfel Saaremaas wird es noch mal spannend. Die Untiefentonne könnten wir nur südlich umfahren, wenn wir halsen, um kurz nach der Tonne wieder zurück zu halsen. Die Arbeit wollen wir uns sparen und suchen uns so einen Weg durch das Flachwassergebiet mit großen Steinen. Keine Bange, es soll hier immer noch mehr als 3 m Tief sein, aber wer weiß schon so genau, wo die Steine wachsen. Wir verlassen uns ganz auf unser GPS und kommen problemlos durch. Jetzt können wir anluven und SUB DIVO beginnt abermals zu rasen. Mit halbem Wind steuern wir eine Bucht im Süden von Muhu an. Schließlich müssen wir den Spi bergen und laufen nur mit dem Großsegel bis zur angegebenen Ansteuerungstonne. Ab hier geht es mit Maschine weiter. Am Anleger von Lounaranna – was übersetzt "South Beach" heißt – wartet Olaf der Hafenmeister schon auf uns. Er spricht gut deutsch und wir folgen ihm gleich nach dem Anlegen in sein gemütliches Büro, welches gleichzeitig Hafenkneipe und Internet-Café ist. Wir lernen viel über die estnisch-deutsche Geschichte. Olaf sagt: "Nichts ist nur schwarz-weiß zu betrachten". Eine sehr angenehme Einstellung. Im Gebäude befindet sich auch eine total gemütliche Sauna, die wir aber nicht nutzen. Wir haben schon genug geschwitzt.

Haapsalu 2Beim Verlassen des Hafens am Freitag, dem 28. Juni versprechen wir Olaf Werbung für sein kleines Paradies zu machen. Unser Kurs führt uns weiter nordwärts. Wir kreuzen – wieder unter Spi – die Fährverbindung zwischen dem Festland und den Inseln Muhu / Saaremaa und suchen uns abermals einen Weg durch steiniges Flachwassergebiet. Selten sinkt das Echolot unter 5 m. Zwischendurch besucht uns in einem Mini-Schlauchboot die estnische Coast-Guard. Nach Abklärung woher und wohin wir segeln, und wie viele Personen an Bord seinen, wünschen sie uns eine gute Weiterreise und machen sich auf den Weg zum Nächsten der 3 Segler denen wir heute begegnen. Aus den Anfangs 3 Bft. werden relativ schnell 0 Bft. Die nächsten 3 h müssen wir mit Maschine durch die ruhige wunderschöne Seenlandschaft der Suur-Straße tuckern. Vorbei an kleinen Inselchen und Vogelkolonien. Das Wasser ist spiegelglatt, und trotz des leichten Dunstes spiegelt sich alles, so dass man gar nicht erkennen kann, wo genau die Küstenlinie oder der Horizont verläuft.

Es ist schon wieder 19:00 h und Conny beginnt, Essen zu kochen. Es gibt lecker Gemüse mit Reis und Bratwurst.

Sub Divo mit schwarzem Mast
Kaum haben wir aufgegessen, setzt Nordwind ein. Im Nu setzen wir die Fock zum ohnehin noch gesetzten Großsegel und können die nächste halbe Stunde schön segeln. Dann müssen wir 2-3 Meilen eine enge Rinne genau gegen den Wind. Wir bergen alle Segel und tuckern wieder dahin. Am Ende der Rinne müssen wir nach Steuerbord abbiegen. Die Fock ist schnell gesetzt. In der Abenddämmerung genießen wir bei ca. 3 kn Fahrt die Stille. Von hinten kommt ein Segelboot auf. Etwas kleiner als wir aber deutlich schneller. Nachdem sie uns überholt haben, schauen wir uns an. Noch mal das Groß setzten? Klar! Ratz-Fatz ziehen wir den Lappen hoch. Jetzt gilt es, ca. 900 m Vorsprung der anderen einzuholen. Conny steuert, ich trimme die Segel und sage an, wie dicht die Tonnen zu runden sind. Rote oder Grüne Streifen wollen wir nicht am Lack, aber viel mehr als eine Elle soll auch nicht zwischen uns und den Wegmarken liegen. Als wir das estnische Boot gerade einholen, läuft deren Maschine schon, die Fock ist aufgerollt und das Groß wird auch jeden Augenblick fallen. Sind wir schon da? Nun muss alles ganz schnell gehen. Die Fahrrinne nach Haapsalu ist sehr sehr schmal. Am Ende gerade mal 5 m. Platz, um in den Wind zu gehen hat man da nicht. Mit einer kleinen Schleifspur durch den berühmten Heilschlamm des Kurortes schaffen wir alles in Rekordzeit und machen wenige Augenblicke im Hafen des Yachtclubs fest. Wenn ihr genauer nachsehen wollt, wo wir uns gerade bewegen, könnt ihr unseren Törn wunderbar auf Google-Earth oder auf folgender Seite nachvollziehen: Navionics WebApp. Dort sind die Seekarten interaktiv mit allen Details ablesbar.

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