06. Juli - Tallinn-Helsinki

Wie heißt Sonnenuntergang auf finnisch? - Hel_sinki. So sieht es hier heute zumindest aus. Alle 2 Stunden wird es finster und ein tierischer Regenguss kommt runter. Dazwischen scheint die Sonne und es ist schlagartig wieder 25°C warm. Im Regen sind es gerade mal 19 °C. Man weiß gar nicht, was man anziehen soll. Zum Sightseeing haben wir nach Tallinn zum zweiten Mal in dieser Woche auch nicht wirklich Lust. Unser elektrischer Wasserkochen hat gestern seinen Geist aufgegeben. Also haben wir uns ins Getümmel der Innenstadt gestürzt, um einen neuen zu kaufen. Wir waren sogar erfolgreich. Statt eines weißen haben wir jetzt für günstige 11,95 € einen schwarzen. Da sage noch mal jemand, in Finnland sei alles unbezahlbar. Na ja, dafür ist das gesparte Geld dann beim Sandwich mit Kaffee fast wieder drauf gegangen.

Blankenese von TallinnNun aber der Reihe nach: Zwei Nächte haben wir in der Old-City-Marina in Tallinn verbracht. Die Innenstadt ist zwar ganz schön, aber leider total touristisch. An den Hot-Spots wird man von allen Seiten bedrängt, doch unbedingt in dieses Café oder jenes Restaurant zu kommen. Die "Koberer" sind dabei häufig in mittelalterlicher Tracht verkleidet. Aber auch in den Nebenstraßen und Gassen wimmelt es vor Kreuzfahrt-Touristen. Ist ja auch kein Wunder. An den Piers für die Schiffsriesen lagen ständig mindestens zwei. Wenn die ihre Insassen frei lassen, sind mal eben 2-4.000 Menschen in der mit ca. 400.000 Einwohnern relativ kleinen Stadt. Dazu kommen noch vielen Touristen, die mit den Fähren von Stockholm oder Helsinki anreisen um "billig" insbesondere Alkoholika einzukaufen. Dementsprechend reihen sich am Hafen ein Alko-Shop neben dem anderen. OK, auch wir haben SUB-DIVO’s Stauräume wieder mit Bier aufgefüllt. Schließlich werden wir die nächsten 7 Wochen in Skandinavien verbringen...

Am frühen Nachmittag verlassen wir den Yachthafen. Über Funk erbitte ich die Passage durch den Fährhafen und einen Augenblick später geht die Ampel auf GRÜN. In der Tallinner Bucht wehen knapp 3 Windstärken aus Nord. Komisch, entweder haben wir den Wind genau von vorn oder genau von Achtern. Beides Windrichtungen, die ich gar nicht mag. Egal, wir haben nur 22 sm zurück zu legen und beginnen, hoch am Wind zu kreuzen. Erstaunlich zügig kommen wir voran und im Nu haben wir den Leuchtturm von Aegna an der Nord-Ost-Ecke der Bucht passiert. Wir wenden und können mit geschrickten Schoten unseren neuen Kurs 100° anlegen. Der Wind wird weniger, unsere Geschwindigkeit sinkt auf unter 3 sm. Die Hälfte der Strecke liegt noch vor uns. So müssen unsere 7,5 Pferdchen wieder galoppieren. Schließlich erreichen wir die Süd-Ost-Spitze von Prangli und können nordwärts gehen. Der Wind hat inzwischen gedreht, kommt jetzt mit 2 Bft aus Ost. Die Genua ist schnell wieder gesetzt und so können wir die letzten 45 Min wieder segeln.

Im kleinen Inselhafen ist ein zweiter Steg gebaut worden. Nun muss man nicht mehr – wie in unserem Hafenhandbuch beschrieben - mit den Fischern um die besten Liegeplätze konkurrieren. An einer der letzten freien Mooringstonnen am Stegende machen wir fest. So schnell wie noch nie haben wir das Boot „hafen-fein“ gemacht und unseren Grill entzündet. An Land hätten wir nicht grillen können. Dort warteten unendliche Mengen an Mücken auf frisches Blut. Am nächsten Morgen machen wir noch einen kurzen Spaziergang rund um den Hafen. Viel zu bestaunen gibt es nicht. Duschen auch nicht. Zwei Dixi-Klo's, als hübsche Holzhäuschen mit Herz in der Tür ist alles, was es an Facilities gibt. Ach nee, Strom gab es auch und freies Internet. Dafür wurde aber auch kein Liegegeld kassiert. Nach den 40 €/Nacht in Tallinn eine Wohltat für die Bordkasse.

Paadie in HelsinkiNach Windvorhersage sollten wir 3 Bft aus West für unseren 32 sm Törn nach Helsinki bekommen. Tatsächlich hatten wir 1-2 Bft aus SSO. Und somit den Wind mal wieder genau von achtern. Es war diesig, wechselnd bewölkt und in der Sonne unerträglich heiß. Immerhin hatten wir 35 Minuten den Spi zum Groß gesetzt, aber so ganz ohne Fahrtwind war es nicht auszuhalten. Kurz vor Helsinki haben wir dann noch Besuch vom finnischen Zoll bekommen. Wie aus dem Nichts tauchten das RIB auf und ein netter, ganz in schwarz gekleideter Amtmann enternte SUB DIVO. Neben der Kontrolle der Ausweise und Bootspapiere musste ich mich auch einem Alkoholtest unterziehen ...

 

Voriger Tag | Übersicht | Nächster Tag

Anmeldung