13. Juli - Durch die Schären

Holger drängt zum Aufbruch. Der Wind kommt aus Nord mit 3 Bft. Es wird Zeit, die Leinen zu lösen und Segeln zu gehen.

Das waren die letzten Worte meines letzten Berichts. Es war schon 15:00 h, als wir Hanko verlassen haben und nach gut einer Stunde begann der Wind zu schwächeln. Manchmal ist es eben doch besser, früh an den Start zu gehen, aber wer weiß, wann ich das nächste mal eine WiFi-Verbindung bekomme und so wollte ich unbedingt meinen Bericht noch versenden. Obwohl wir zeitweise nur mit 2 kn segelten, machte es uns – nach dem Motortag zuvor – Spaß. Das ist ja nicht immer so. Segler sind da nämlich ein bisschen komisch. Erst können sie es kaum erwarten, endlich wieder aufs Wasser zu kommen, und dann wollen sie so schell es geht ans Ziel kommen. Wie gesagt, uns war es heute egal. Wir wechselten die Fock gegen die Genua und liefen zumindest Anfangs wieder etwas schneller.

Letztlich dümpelten wir aber wieder bei 2 kn Fahrt und hatten somit die perfekten Bedingungen, die frisch erworbene Schleppangel ausprobieren. Sind wir nämlich zu schnell, treibt der Wobbler trotz Senkblei an der Wasseroberfläche, und auf den Kampf mit einer geangelten Möwe wollen wir gern verzichten. Das Wunderbare an dem herrlichen Wetter, das wir hier gerade erleben ist, dass der Wind immer wieder kommt. Oftmals aus einer anderen Richtung als zuvor, meist auch mit unterschiedlicher Stärke, aber er kommt. Daß er es heute noch faustdick in den Backen hatte, erlebten wir in weniger als 5 Minuten. Einer 45°-Drehung folgte auf 2 Bft satte 5 Bft, in Böen 6 Bft. Sofort haben wir die Fock wieder rausgekramt, die Genua geborgen und zuletzt sogar gleich das 2. Reff ins Großsegel gebunden. Ein, zwei Kreuzschläge, dann ein langer Anlieger hoch am Wind und an einer Nord-Kardinaltonne konnten wir endlich etwas Abfallen. Zeitweise hatten wir durch die Schräglage das Seitendeck durchs Wasser gezogen. Jetzt konnten wir wieder aufrechter segeln und meist stand die 7 auf der Logge. Dass trotz der Kapriolen des Windes die Sonne vom wolkenlosen Himmel schien, mag ich ja kaum noch erwähnen.

Zu Abend suchten wir dann doch lieber einen kleinen Hafen auf. Bei dem Wind eine geeignete Bucht zu finden, in der wir – vorzugsweise – vor Heckanker liegen können, war uns zu riskant. Leider haben wir für diese Regionen keinen Ankerbucht-Führer. Wir entschieden uns für Rosala-Nötholmen und wurden von freundlichen Finnen an den letzten freien Platz gewunken. Der Wind hatte sich über Nacht auch wieder auf die üblichen 2-3 Bft eingependelt, natürlich bei wolkenlosem Himmel. Auch die Richtung Nord-West war OK. Dort wollen wir zwar hin, aber hier sieht es ja aus wie in jedem besseren Kinderzimmer. Überall liegen Steine, Felsen und Inseln im Weg, so dass man eh nicht geradeaus segeln könnte. Betonnte Fahrwege gibt es viele, so dass man nicht mehr von einer „Schären-Autobahn“ sprechen kann. Es sind viele größere und kleine Landstrassen, die kreuz und quer verlaufen, sich kreuzen und gabeln. Man kann sich aussuchen, welcher gerade am Besten zur Windrichtung passt. Und dann kann man natürlich auch noch querfeldein segeln. Wir machen beides. Wann immer es geht, folgen wir den Fahrwassern, aber wenn sich eine brauchbare Abkürzung ergibt, oder nur wegen eines großen Steines gekreuzt werden müsste, verlassen wir uns voll auf unseren Kartenplotter und navigieren im Slalom um jedes Hindernis.

Die Wassertiefe schwankt zischen 20 und 70 m. Einige Steine ragen heraus aber andere bleiben dicht unterhalb der Wasseroberfläche, die sieht man bei der glatten See nicht und sie sind deshalb so heimtückisch. Da die Finnen jetzt auch Ferien haben, sind schon viele Boote unterwegs und immer wieder freuen wir uns, wenn wir schneller sind, höher am Wind segeln können oder unsere Wenden an geschickter gewählten Punkten machen. Wir erfreuen uns aber auch ganz einfach an den wunderschönen Bildern der Natur, die durch die weißen Segel oft noch malerischer wirkt, Unser Tagesziel ist Gullkrona. Wir hatten schon gemutmaßt, dass hier der Verband der finnischen Zahnärzte sitzt – Goldkrone, weißte Bescheid – oder ob hier ein Schwede seine Gold-Kronen – alte schwedische Währungseinheit – versenkt hat. Leider kommen wir nicht auf die Insel. Ab 17:00 h darf niemand mehr im Hafen liegen. Warum? Keine Ahnung. Eine Bootsnachbarin im Ausweichhafen Stenskär meint, die Tochter der Inselmutter sei krank, aber ist das ein Grund den Hafen abends zu schließen?

Aber auch der nächste und übernächste Tag waren wie aus dem Bilderbuch. Westwind mit 2-3 Bft führte uns auf die Schäre Aspö 59°57 N / 21°37 E. Wir segelten bis in die Bucht hinein starteten erst kurz vor dem Werfen des Heckankers die Maschine und machten mal wieder am Felsen fest. Auf einem kleinen Plateau bauten wir den Grill auf und genossen die herrliche Aussicht auf den gegenüber liegenden Hafen und die kolossale Schärenlandschaft. Unser Bootsnachbar gaben uns noch einen ganz besonderen Tipp, den wir gleich am nächsten Morgen umsetzten. Um 8:00 h sind wir aufgestanden, 5 Minuten später ging der Anker auf und wir sind bei leichten Südwind 5 sm südwärts zur Schäre Björkö per Maschine gefahren. Unterwegs gab es ein lecker Müsli-Frühstück und kaum war der Abwasch erledigt, trafen wir ein. Die Bucht war randvoll mit Schiffen, aber einige hatten schon ihren Liegeplatz verlassen. So konnten wir eine geeignete Stelle am Fels finden und nachdem der Heckanker endlich gefasst hatte, dem eigentlichen Grund für den Besuch auf dieser Schäre nachkommen. Hier gibt es nämlich einen Süßwasser-See. Nach einer kurzen Klettertour trafen wir am imposanten See ein, fanden einen geeigneten Einstieg – oder besser: einen Platz an dem wir auch wieder herauskommen – und nahmen unser Morgenbad. Wunderbar klares, ca. 21° C warmes Wasser empfing uns.

Um halb elf haben wir dann wieder den Anker gelichtet und sind nordwestwärts auf Kurs gegangen. Mittag trübte es sich ein, die Temperatur fiel gefühlt von 25° C auf 18°C und der Wind frischte kräftig auf. Bald musste die Genua der Fock weichen und auch das Groß bekam wenig später das 2. Reff verpasst. Leider drehte der Wind mit uns. Je mehr wir unseren Kurs nach Norden änderten, desto weiter drehte dieser auf Nordwest. Immerhin hatten wir fast immer einen guten Anlieger und brauchten nicht endlos gegenan kreuzen. Ziel war das kleine Örtchen Näsby auf Houtskär 60°13,47 N / 21°22,10 E. Hier hatten wir uns mit Christiane und Stefan verabredet, die seit 5 Wochen mit ihrer INVERNESS unterwegs sind. Ihr Weg führte die schwedische Ostküste hinauf, also genau dort entlang, wo es bei uns weiter gehen wird.

 

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