02. August - Geburtstag

Ich hab’s geschafft. Von einem Tag auf den anderen bin ich ein alter Sack geworden. Man gut, dass ich mich immer noch genau so jung fühle wie vorher. Gut war auch, dass ich einige Unterstützer dabei hatte, die zum überwiegenden Teil ebenfalls schon das halbe Jahrhundert hinter haben. Gefeiert haben wir – wie geplant – in Nyköping. Der Weg dorthin war wettermäßig ziemlich durchwachsen, als ob das Wetter die Höhen und Tiefen meines bisherigen Lebens noch mal nachspielen wollte.

Bootswaschanlage in TrosaGestartet sind wir bei wechselnder Bewölkung, ziemlicher Schwüle und Null Wind in Stockholm. Das mit dem fehlenden Wind war nicht ganz so schlimm, weil wir Stockholm durch den Lännerstasundet, einem teilweise sehr engen Sund und Kanal im Südosten verlassen haben. An den steilen Hängen befinden sich wunderschöne Häuser, mit schönen Gärten und vielen Bäumen – ein bisschen wie in Blankenese. Ziel des Tages war die Napoleonsviken auf der Insel Ägnö (58°14,3 N / 18°24,3 E), einer wunderschönen "Flaschenhals"-Bucht, in der man gegen alle Winde geschützt vor Heckanker am Felsen liegen kann. Leider waren die Granitfelsen durch die Regenfälle der vergangenen Tage ziemlich rutschig, so dass wir eigentlich nur zum An- und Ablegen an Land gehen konnten. Immerhin war es warm genug, um das Boot durch einen schwungvollen Flachköpper ins klare, ausreichend warme Wasser zu verlassen, was wir zu einem schönen Abend- und Morgenbad nutzten. Nach dem Morgenbad und Frühstück versuchten wir am nächsten Tag unter Segeln aus der Vik hinaus zu kommen. Leider reichte die schwache Brise nicht wirklich. Wenig später ging es so la-la mit Genua und Groß, dann mussten wir auf Vorwindkurs gehen. Die Segel schlugen lustlos an die Wanten. Uns gefiel aber die Landschaft und Bebauung um Dalarö, so dass wir den Spi setzten, das Groß bargen und mit langsamer Fahrt (ca. 2,5 - 3 kn) auf Sightseeing-Modus umstellten. Wenig später konnten wir den Spi gerade noch rechtzeitig bergen, bevor es zu regnen begann. Keine Schauer, sondern gleichmäßiger ergiebiger „Landregen“. Um 16:00 h trafen wir dann in einer wenig bekannten Bucht auf Ranö ein (58°56,4 N / 18°11,5 E). Verabredungsgemäß wartete dort bereits unsere Vereins-Dehler 34 AURIGA II auf uns. Wir warfen unseren Anker und gingen längsseits. Nach großem Hallo luden uns Bernd und Holger zum gemeinsamen Abendessen ein. Dass der Wind zwischenzeitlich von Ost auf West gedreht hatte und auch ganz gut an Stärke zugenommen hatte, störte unsere Anker dieses mal nicht, sie hielten bombenfest. Drei anderen Yachten, die am Felsen festgemacht hatten, erging es anders. Sie verholten auf die gegenüberliegende Seite der Bucht und verhinderten dadurch, auf die Felsen gedrückt zu werden.

Am nächsten Morgen hatten wir wieder strahlend blauen Himmel. Also raus aus der Koje und ab ins Wasser. Herrlich. Nachdem wir unseren Anker mitsamt 10 kg besten Lehm geborgen hatten, setzten wir die Fock und das Großsegel. Parallel zu uns die AURUGA II mit Selbstwendefock und Groß. Der Wind kam weiterhin aus West mit 4-5 Bft. Anfangs befanden wir uns im Windschatten der AURIGA II und konnten gerade so mithalten. Dann haben wir das Backstag und das Fockfall noch etwas stärker angezogen und konnten somit mind. 5° mehr Höhe laufen. Ganz sutje zogen wir nun an ihr vorbei und nach zwei, drei Wenden lagen wir bereits ca. 1 sm voraus. Das hätte ich nicht gedacht. Leider trübte es dann relativ schnell ein. Der Wind briste stark auf satte 6 Bft auf, drehte mit unserem Kurs südlich und es begann wieder ergiebig zu regnen. Hinzu kamen stetig wachsende Wellen deren Höhe sich der 1,5 m-Marke genähert haben dürften. Unser Kreuz-Kurs führte uns weit südlich, bis wir eine slalomartige Passage durch die Schären bei Landsort westwärts passieren konnten. Durch ein kleines Nadelöhr gelangten wir wieder in reichlich gewelltes offenes Gewässer, konnten jetzt aber abfallen und raumschots unserem Tagesziel Trosa entgegensegeln. AURIGA II war dann etwa 45 Minuten nach uns auch am Ziel. Natürlich war die Selbstwendefock schuld ... Mit einem schönen gemeinsamen Saunabad und lecker Chilli con Carne ließen wir den Abend gemütlich ausklingen und kamen so auch schnell wieder auf Betriebstemperatur. Auch wenn die Regenkleidung wasserdicht ist, durch die Verdunstungskälte kühlt man aus und da kommt eine Sauna gerade recht.

Vorbei an AURIGA IIAm Donnerstag, 01. August trennten sich dann unsere Wege. AURIGA II ging wieder „auf Schäre“, während wir Kurs Nyköping nahmen. Nur mit Fock absolvierten wir die erste Hälfte der Strecke. In Böen (5-6 Bft) ging es trotzdem rasch voran. Dazwischen lagen aber auch immer wieder lange Strecken im Windschatten von Schären, in denen wir gerade mal 2 kn liefen. Erstaunlicherweise kam nach ca. zwei Stunden die AURIGA II von hinten auf, Bernd und Holger waren eine halbe Stunde später gestartet, segelten nur mit Genua und waren ernorm schnell. Es ist eben doch wichtig, die richtigen Segel zu setzen ... Leider mussten wir die zweite Hälfte des Tages mit Maschine zurück legen. Der Wind kam direkt von vorn und in dem engen Schärenlabyrinth war kreuzen kaum möglich. Trotzdem genossen wir die herrliche Landschaft und freuten uns, dass wir neben den Untiefen und Felsen auch den „Duschvorhängen“ geschickt ausweichen konnten. Wir hatten nach den nassen Erfahrungen der letzten Tage das Wort mit dem „R“ am Anfang nämlich zum Unwort des Tages erklärt.

In Nyköping kehrte dann der Bilderbuch-Sommer zu uns zurück. Schon morgens zum Frühstück hatten wir mindestens 25 °C. Kaum hatte ich die letzte Tasse Kaffee getrunken, machte ich mich auf den Weg zum Busbahnhof. Conny und Laura befanden sich im Anflug. Zwar mussten die beiden schon um 3:30 h aufstehen um den Shuttlebus nach Lübeck und von dort ihre Maschine nach Stockholm-Skavsta zu erreichen, aber zur Belohnung konnten sie bei wolkenlosem Himmel die schwedische Ostküste – die wir gemeinsam besegeln werden – schon mal von oben bestaunen. Und dann kam dieser denkwürdige Tag, an dem ich ein halbes Jahrhundert bewältigt hatte. Das Wetter war überwältigend. Sonne, Sonne, Sonne. 25-30 °C. Leichter Wind. Nach dem gemeinsamen Frühstück mit der AURIGA II-Crew – die inzwischen wieder zu uns gestoßen war - ging es mit 7 Mann an Bord von SUB DIVO raus in die Schären. Nachdem wir eine geeignete Stelle gefunden hatten, fiel der Anker und wenig später befanden sich die meisten von uns im Wasser oder sonnten sich auf heißem Granit oder an Deck. Zwischendurch gab es das eine oder andere Heiß- oder Kaltgetränk, Kekse oder andere Leckereien. Völlig entspannt. Zurück im Hafen traf dann auch Kai ein. Er löst Bernd auf der AURIGA II ab und wird die nächsten 4 Wochen immer wieder mit uns zusammen treffen. Am Abend zum Grillen fanden dann alle acht Platz in unserem geräumigen Cockpit. Gut, dass SUB DIVO für Regatten so ein großes Cockpit verpasst bekommen hat. Zum Abschluss holte Bernd dann seine Gitarre raus und spielte die passende Musik zum Wetterleuchten das zur Feier des Tages aufgezogen war.

Inzwischen haben wir Oxelösund verholt, einem der wenigen Industriestandorte direkt an der Ostküste. Vorteil hier ist: Es gibt eine Segelmacherei. Unser Großsegel hat an den Enden der Lattentaschen kleine Risse. Ich hatte zwar schon selbst zu Nadel und Faden gegriffen, aber eine professionelle Verstärkung an diesen Stellen im Segel ist – auch im Hinblick auf die ca. 700 sm die noch vor uns liegen – sicherlich besser.

 

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