09. August - Von Schäre zu Insel

So, das Großsegel ist wieder heile und wir können unseren Törn beruhigt fortsetzen.

Montag, 05. August.

Es war bereits 14:00 h und wir waren gerade dabei, uns seefest zu machen, da klingelte das Telefon. Holger und Kai von der AURIGA II hatten Sehnsucht nach uns und hatten gerade im Hafen von Nävekvarn am Norrköping-Fjord (58°38 N / 16°48 E) festgemacht. Wir beratschlagten kurz. Eigentlich wollten wir ein gutes Stück weiter nach Süden segeln. Aber der Wind kam mit gut 4 Bft aus Südost und somit hätten wir weite Strecken im engen Schärenfahrwasser kreuzen müssen. Wozu der Stress? Wir haben noch genug Zeit und so fiel die Entscheidung schnell, ebenfalls in den idyllischen Hafen zu segeln. Die Entscheidung war genau richtig. Kaum waren wir aus dem geschützten Hafenbereich von Oxelösund heraus, empfing uns eine äußerst unangenehme Welle. Wir wollten die 10 sm eigentlich nur mit der Fock segeln, und wurden so zu einem Spielball der Elemente. Nach ein paar Inselchen und Felsen konnten wir zum Glück endlich abfallen und die Lage beruhigte sich etwas. Aber erst als wir doch das Großsegel gesetzt hatten, wurde es zu einem angenehmen Tagestörn. Wie schon im letzten Bericht erwähnt: Es kommt eben doch auf die richtige Wahl der Segel an. Auch meinen beiden Mädels gefiel es jetzt richtig gut im warmen Frühabendlicht zu segeln und so nutzten wir die Windkraft bis in den Hafen. Dort drehte uns Laura kurz in den Wind und Conny und ich bargen das Großsegel. Nur mit der Fock ging es dann bis 50 m vor unseren Liegeplatz – gleich neben der AURIGA II. Die Restfahrt hätte für ein wunderbares Anlegemanöver unter Segeln gereicht, zumal wir exakt gegen den Wind anlegen konnten, aber so recht traute ich mich nicht und starte auf den letzten Metern die Maschine. Ohne Not das Risiko einzugehen, Schäden an SUB DIVO, anderen Booten oder am Steg zu verursachen, wäre einfach nur blöd.

Dienstag, 06. August.

Wäsche trocknen auf FangöDer Wind war über Nacht zwar eingeschlafen, war aber pünktlich zum Frühstück in alter Stärke (gut 4 Bft) wieder da. Leider kam er immer noch aus der falschen – südöstlichen – Richtung. Also beschlossen wir und die AURIGA II-Crew, einen Hafentag einzulegen. Die nette Hafenmeisterin versorgte und mit Landkarten und so machten wir uns auf, einen Teil des Sörmlandes per Pedes zu entdecken. Nach 4-5 km – erst über Straßen, dann durch Wald und Flur – gelangten wir an eine Badestelle. Klamotten runter, rein ins Wasser. Anschließend ein Sonnenbad am Steg oder auf den Felsen und schließlich der Rückmarsch. Während wir noch das Hafengeld für die folgende Nacht bezahlten, war Laura schon an Bord gegangen. Dort sah es im wahrsten Sinne des Wortes "BESCHISSEN" aus. Irgendein Kackvogel hatte ganze Arbeit geleistet. Als wir ankamen, war Laura schon am Deckschrubben. Und wenn erst mal eine Pütz bereit steht, dauert es bei Holger meist nicht lange, bis eine lustige Wasserschlacht beginnt... Neben viel Spaß und nassen Klamotten hat so eine Schlacht ja auch immer den positiven Nebeneffekt, dass die Boote mal richtig abgewaschen werden ...

Mittwoch, 07.August 2013

Die Kejsaren Tonne mit GebrauchsanweisungWie vorhergesagt kam der Wind am nächsten Morgen aus West-Süd-West und die Stärke reichte gerade, um auf Am-Wind-Kurs einigermaßen – d.h. 3-4 Knoten – Fahrt zu machen. Gemeinsam mit AURIGA II nahmen wir Kurs auf Arkösund und von Anfang an versuchten Holger und Kai hinter uns her zu kommen. Während wir meistens die betonnten Fahrwasser nutzten, versuchten sie Off-Road vorteilhafte Abkürzungen zu nutzen. Kurz vor der Einfahrt in den Arkö-Sund hatten sie damit auch Erfolg. Wir hatten schon einen beträchtlichen Vorsprung, mussten nun aber sehr hoch an den Wind. Wir nutzten dazu das volle Trimm-Potential unseres Riggs und konnten zwar halbwegs die erforderliche Höhe halten, wurden aber auch deutlich langsamer und der gute Vorsprung reduzierte sich zusehends. Unsere Taktik ging letztlich leider nicht auf, weil kurz vor der entscheidenden Untiefentonne ein unpassender Winddreher kam. Wir mussten wenden und Holger und Kai zogen ein gutes Stück im Luv von uns mit gefierten Schoten und einem breiten Grinsen an uns vorbei. 1:0 für AURIGA II. Im Sund mussten wir dann motoren. Die bewaldeten Schären deckten den Wind zu sehr ab. Zeit, sich die schöne Bebauung an den Ufern anzusehen. Beim Verlassen des Sundes setzten wir dann gleichzeitig die Vorsegel und begaben uns auf eine lange Kreuz Richtung Südwest. Wieder lagen wir rasch in Führung und die AURIGA II-Crew versuchte durch größere Schläge abseits der Betonnung ihren Nachteil wett zu machen. Dieses Mal waren sie allerdings chancenlos. Als kurz vor der Kejsaren-Tonne der Wind einschlief, hatten wir gefühlte 2 Meilen Vorsprung. 1:1, unentschieden.

Die Kejsaren-Tonne ist einzigartig in Schweden. Sie trägt als Topp-Zeichen eine goldene Krone und die gesamte schwedische Seglerwelt ist sich einig, dass man diese Tonne nicht ohne einen Schluck geistigen Getränks passieren darf. Um dies zum Ausdruck zu bringen, standen auf der Tonne diverse Schnapsgläser und kleine Fläschchen. Wir warteten auf die AURIGA II und reichten Gläser mit lecker Port-Wein rüber. Unser Tagesziel war die Ankerbucht im Westen der Schäre Longa Missjö. Die Einfahrt war wegen ihrer Schwierigkeit im Törnführer recht ausführlich beschrieben. Wir fuhren voraus. Gaaanz langsam. Conny am Bug als Ausguck. Trotzdem streifen wir mit dem Kiel seitlich einen Unterwasserstein. Connys Richtungsangaben verstand Holger als: Stopp, hier ist es zu flach für euch. Immerhin hat die AURIGA II 20 cm mehr Tiefgang. Die beiden drehten ab und wir flutschten in die wunderschöne Bucht hinein. Karte und Törnführer raus. Gibt es noch einen anderen Weg hierher? In einem großen ca. 5 Meilen langen 7/8-Kreis um mehrere benachbarte Schären gibt es von Nordwesten ebenfalls einen Zugang. Über Funk verständigten wir uns. Während wir den inneren Fahrweg ausloteten – außerhalb der Untiefen ist es meist mehr als 10 m tief – nahmen Holger und Kai den Weg außen herum. Fast anderthalb Stunden später waren wir dann wieder in der Ankerbucht, warfen die Heckanker aus und machten mit dem Bug am Felsen fest. Kurze Zeit später befanden wir uns im klaren Wasser ☺.


Donnerstag, 08. August 2013

Das Klo auf der SchäreDer nächste Morgen war wieder sonnig und warm. Dementsprechend führte der Weg von der Koje unmittelbar ins Meer. Eigentlich bin ich ja lieber auf dem Wasser als im Wasser, aber bei so verlockenden Bedingungen mache ich gern eine Ausnahme. Nach dem Frühstück gab es abermals kein Halten mehr. Die gegenüber liegende Schäre sah noch verlockender aus als die unserige. Leider hatten wir keinen Fotoapparat mit hinüber genommen. Die Aussicht und die glatten Felsen waren wirklich einzigartig. Am frühen Nachmittag haben wir dann gemeinsam die Lage sondiert. Kai und Holger wollten am Freitag im gut 40 Meilen entfernten Västervik eintreffen. Dort war Crewwechsel angesagt – Antje sollte für Holger auf die AURIGA II kommen. Wir suchten nach dem richtigen Wetterfenster, um nach Visby auf Gotland zu segeln. Wir kamen überein, dass wir heute noch 10-15 sm Richtung Süden segeln sollten und uns morgen früh dann getrennt auf unsere Routen machen sollten. Als Ankerbucht haben wir uns eine nicht in den Törnführern beschriebene Bucht im Norden der Insel Fangö ausgesucht. Also gingen die Anker auf und den Weg durch das Labyrinth zum Nordwestausgang der Schärengruppe legten wir erst mal per Maschine zurück. Dann setzten wir Segel und das Rennen wurde erneut gestartet. Wir liefen ziemlich genau die gleiche Geschwindigkeit, nur dass wir ca. 5° höher an den W ind gehen konnten. 2:1 für uns. Dann führte uns der Weg durch eine Enge und es begann – völlig überflüssig – zu regnen; nein: zu schütten. Der Wind drehte dabei südlicher und so konnten wir nur noch zeitweise hoch am Wind segeln. Bei Regen und unsichtigem Wetter wollten wir zum kreuzen das Fahrwasser nur ungern verlassen. Die ausgesuchte Bucht erwies sich dann als durchaus brauchbar. Am Rande einer flach ins Wasser reichenden glatten Felsplatte fanden wir ausreichend Wassertiefe. Einzig der weiter nach Süden drehende Wind ließ uns im Laufe des Abends die Leinen mehrfach nachsetzen und durch eine weitere Spring ergänzen. Durch die seitliche Abdrift berührte der Kiel seitlich einen Felsen und dass mögen Skipper im allgemeinen nicht wirklich. Leider haben wir sonst von dieser Schäre nicht viel gesehen. Es regnete den ganzen Abend und am Freitagmorgen wollten wir zeitig aufbrechen. Immerhin lag ein 60-Meilen-Törn vor uns.

Freitag, 09. August 2013

Longa MissjöDer Wind hatte – wie angesagt – auf West gedreht. Beim Verlassen der Bucht trauten wir allerdings unseren Sinnen kaum. Eben lagen wir noch ruhig und geborgen im Schutze der Felsen und Wälder. Jetzt kachelte es mit satten 6 Bft. So viel wollten wir doch gar nicht. Egal. Gleich beim Setzen des Großsegels banden wir das zweite Reff ein und nahmen Kurs Ost auf die offene See. Um die Gefahr von "Patenthalsen" – dem unkontrollierten Überschlagen des Großsegels – im rasch zunehmenden Seegang zu vermeiden, kreuzten wir anfangs vor dem Wind. Dann bargen wir das Groß und segelten nur mit der Fock. Als wir den Schärengürtel endgültig verlassen hatten und auf Ost-Süd-Ost-Kurs gehen konnten, wurden wir dermaßen durchgeschaukelt, dass wir das Groß doch wieder setzten. Jetzt wurde es durch die höhere Geschwindigkeit und die größere Stützwirkung der Segel ruhiger. Auch die Wolken rissen mehr und mehr auf und: es wurde wärmer. Im 90-Minuten-Takt lösten wir uns am Ruder ab. Nach der Ruderwache legten wir uns meist hin. Immerhin waren wir "schon" um 7:00 h aufgestanden und mussten dringend Schlaf nachholen. Für Conny und Laura war der Wachrhythmus eine ganz neue Erfahrung. Im Laufe des Tages nahm der Wind etwas ab. Wir konnten das Groß ausreffen und noch während wir darüber beratschlagten, ob wir den Spi setzen sollten, drehte der Wind südlicher, so dass sich die Frage schnell von selbst beantwortete. Hart an der „Spi-Grenze“ bei 1,5 m Seegang und zwischen 4 und 5 Bft schwankenden Windstärken ließen wir das große Graue lieber unter Deck.

Nach 60 sm in 11 Stunden legten wir schließlich wohlbehalten im hintersten Zipfel des Gästehafens von Visby auf Gotland an. Das Gefühl des sogenannten „Landfalls“ ist immer wieder schön, auch nach nur 11 Stunden auf See.

 

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