21. August - Von Kristianopel nach Christiansö

Dienstag. Wie ihr am heutigen Titel vielleicht schon erkennt, wimmelt es hier nur so vor Christians. Das hat folgende Bewandnis: Es war einmal ein Dänemark und ein Schweden. Die gibt es heute noch, aber das ist eine andere Geschichte. Beide wollten die größten sein und deshalb schlugen sie sich gegenseitig die Köppe ein. Nein. Eigentlich wollten ihre Könige die Größten sein, und diese befahlen ihren Leuten sich gegenseitig die Köppe einzuschlagen. So’n Königskopf ist ja auch viel zu wertvoll, oder so. Wie auch immer, die schwedischen Könige hießen (und heißen) Gustav Karl Adolf (und aßen furchtbar gern Knäckebrot. Deshalb hießen sie mit Nachnamen Wasa). Die Dänischen Könige hießen einfach nur Christian – oder wie der Schwede schreibt: Kristian. Weil Karl Gustav Adolf in Kalmar ein tolles Schloss hatte, das er mit einer mächtigen Festung mit dicken Mauern und noch dickeren Kanonen schützte, wollte Christian auch eine Festung haben und ließ etwa 50 km südlich von Kalmar auch eine bauen. Da er ja hoch hinaus wollte, nannte er sie Christians Metropole – kurz Kristianopel. Aus der Weltstadt wurde leider nichts. Wenn ihr Glück habt, findet ihr das beschauliche Städtchen bei Google-Earth oder - wie wir - auf der Seekarte (56°16 N / 16°04 E).Abendstimmung in Kristianopel

Scheinangriff auf SchloßLaura und ich verließen am Sonntag, 18.August, Kalmar und fuhren noch einen kurzen Scheinangriff auf die Schlossfestung. Dann mussten wir wenden und kreuzten den südlichen Teil des Kalmarsundes gegen 4-5 Bft Südwind an. Zeitweise schien die Sonne und die Wellen verschonten uns heute vom Spritzwasser. Dabei hatten wir dieses Mal trotz der Wärme von Anfang an Schutzkleidung an. Zwischenzeitlich sorgte eine Regenfront, die uns aber nicht erreichte, für westliche Winde mit 2 Bft. Ohne Druck in den Segeln bei einer nachlaufenden Welle kann man nicht segeln. Man wird hin und her geschüttelt und kommt nicht voran. Also, Segel runter und Maschine an. Dann war die Front durch und alte Verhältnisse stellten sich wieder ein. Segel wieder hoch und ab an die Kreuz. Wie schön, dass es rechts und links des Weges Häfen gibt, in die man sich einfach verziehen könnte. Wollten wir aber nicht. Wir wollten Kristians Opel ansehen. Allein schon wegen der ausgleichenden Gerechtigkeit. Als wir gerade in die Zufahrtsrinne abfallen konnten, meinte der Wind noch einen drauf legen zu müssen und schickte uns ein paar Böen im 7-Bft-Bereich. Gar nicht nett. Mit 7,5 kn stürmten wir auf die Stadtmauern mit ihren Bastionen zu – und weil es dort niemanden interessierte, bargen wir die Segel und legten in aller Ruhe und Gemütlichkeit im kleinen aber feinen Hafen an.

Christiansö 1Am nächsten Morgen machten wir dann eine Standortanalyse. Keine 30 Minuten brauchten wir, um den Ort zu durchwandern. Die alte Stadtmauer dient heute teilweise als Umzäunung eines Campingplatzes. Andere Teile begrenzen schöne Privatgärten. Es gibt eine Kirche, ein Bed & Brechfest und einen Kaufmann bei dem eine hübsche blonde Schwedin an der Kasse sitzt und Brötchen verkauft, was will man mehr. Die Wetterpropheten hatten eigentlich für Montag, 19. August westliche Winde vorhergesagt, nur hatten sie wohl vergessen, es auch dem Wind zu sagen... Wir starten bei 3 Bft aus Süd, also wieder genau gegenan. Dann konnten wir auf einmal (fast) die Küste entlang segeln mit 3-4 Bft aus SSO. Eine Stunde später dann wieder S 3 und am Ende SSW 2. Als diese dann immer weniger wurden, starteten wir mal wieder die Maschine und tuckerten und tuckerten bis wir auf die wunderbare Außenschäre UTKLIPPAN stießen. Hier wollte ich immer schon mal hin. Utklippan (55°57,3 N / 15°42,3 E) besteht eigentlich aus zwei Schären. Eine hat einen Schutzhafen, der als Rechteck in die Granitfelsen gesprengt worden ist. Sonst gibt es dort nur ein Trocken-WC und Brombeerbüsche zwischen den Felsen. Auf der Hauptschäre befindet sich ein Leuchtturm, neuerdings ein Restaurant und eine Sauna. Im Hafen stehen Ruderboote zur Verfügung, falls man mal ausgehen möchte ☺. Leider machte kurz nach uns eine Jungspund-Crew aus Hildesheim fest, die im offensichtlich alkoholisierten Zustand mit Ballermann-Mucke aus Konzertlautsprechern und abstoßendem Gehabe die gesamte Seglergemeinschaft gegen sich aufbrachte. Der Leuchtturmwärter- Hafenmeister lotste sie dann an einen Liegeplatz an der Außenmole und sorgte mit ein paar kalten Aufgüssen in der Sauna für Ruhe. Schade, dass es immer wieder solche Vollspacken gibt und wir dadurch letztendlich unseren Plan - die Inselsauna zu besuchen – aufgeben mussten.

Ach ja, in der Zwischenzeit kam die AURIGA II mit Antje und Kai in den Hafen getuckert und machte gleich vor uns fest. Schön, die beiden wieder zu sehen. Das Wetter der letzten Woche war ja recht durchwachsen und so hatten die beiden auch eine ganze Menge zu erzählen. In der Nacht drehte der Wind auf NW. Das hatten wir schon lange nicht mehr. Während sich Antje und Kai auf den Weg nach Simrishamn machten, entschieden wir uns, den Erbseninseln einen Besuch abzustatten. Offenbar war unser Christian auch Erbsenzähler – woher sollte sonst dieser Name stammen? Noch im Hafen bereitete ich alles zum Spi-Segeln vor. Auf unserem SSW-Kurs könnte es klappen, endlich mal wieder das große Graue zu setzen. Wenn ich mich recht erinnere, hatten wir es zuletzt beim Verlassen von Mariehamn gesetzt, und das ist etwa ein Monat her. Gleich nach Verlassen von Utklippan nahmen wir Kurs auf Christiansö. Bei gut 3 Bft liefen wir meist um die 6,5 kn mit Groß und Genua. Der Einfallswinkel des scheinbaren Windes – also der Mischung aus wahrem Wind und Fahrtwind – lag bei ca. 70°. Etwas zu spitz für den Spi. Wir hatten 3 Möglichkeiten: a) auf direktem Kurs segeln, b) einen Leebogen segeln, also jetzt abfallen und den Spi setzen und später höher am Wind unserem Ziel entgegen zu segeln, oder c) einen Luvbogen segeln. Wir entschieden uns für c  (c. ist sowieso die beste Entscheidung meines Lebens ☺). Wir luvten an und tobten nun mit gut 7 kn auf die Nordspitze Bornholms zu. Das wollten wir solange machen, bis Christians Erbse genau im Süden liegt. Dann sollte der Spi hoch. Wurde leider nichts draus. Der Wind drehte linksherum – also westlicher. In unser luvwärtigen Position störte uns dass allerdings wenig. Wir konnten immer noch mit halben Wind unser Ziel erreichen.

Christiansö 2Drei Meilen vor dem Ende drehte der Wind dann allerdings weiter und legte in den Böen eine glatte 6 aufs Wasser. Das Groß hatten wir schon gerefft, aber die große Genua wollten wir so kurz vor dem Ziel bei etwa 1 m Welle nicht mehr gegen die Fock tauschen. Letztlich haben wir sie dann ca. 1 sm vor der Insel doch geborgen und sind nur mit dem gerefften Groß in den Nordhafen. Leider stand in den Seekarten nicht, dass sich die Anleger für Sportboote im Südhafen befinden. (Die beiden Hafenteile sind durch eine Hängebrücke voneinander getrennt). Nachdem das Groß nun auch schon unten war, tuckerten wir dann mal eben um die halbe Erbse und fanden dort ein geschütztes Plätzchen. Christian hat hier – im Gegensatz zu Kristianopel – ein wirkliches Kleinod der Nachwelt hinterlassen. Mächtige Mauern mit Bastionen und Kanonen schützen diesen kleinen Felsen. Kleine malerische Häuser und Gärten erfreuen das Auge. Es ist einfach nur schön hier. Schön, dass das Militär den Felsen und seine Bebauung ganz gelassen hat und dass wir uns nicht mehr im Namen von Adolf Karl Gustav oder Christian die Köppe einhauen müssen.

 

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