24. August - Wohin der Wind uns zieht

Die ersten fünf Wochen sind wir noch ziemlich genau nach Fahrplan gesegelt. Das lag auch daran, dass es kaum Alternativen gab. In den nächsten sechs Wochen konnten wir dann querbeet durch die Schären ziehen und auch Ziele anlaufen, die abseits der üblichen Wege liegen. Jetzt in den letzten beiden Wochen bestimmt natürlich das möglichst unkomplizierte und zügige Nach-Hause-Kommen unseren Törnplan. Trotzdem wollten und wollen wir nicht auf sehenswerte Orte – wie Utklippan und Christiansö – verzichten. Dennoch, die Zeit läuft und bestimmt das Vorankommen – wo es lang geht, entscheiden wir von Tag zu Tag, teilweise sogar erst unterwegs. So war es auch nach unserem Aufbruch von Christiansö. Minimalziel war Allinge im Nordosten von Bornholm. Eigentliches Ziel war Hasle im Westen von Bornholm und angekommen sind wir in Skillinge, Schweden, im Südwesten der Hanöbucht.im Grönsund bei 6 Bft

Das kam so: Wir hatten Westwind mit 5 Bft., mussten also gegenan. Wir entschieden uns für einen langen Schlag nach Südwest in den Windschatten von Bornholm. Dort wendeten wir und gingen auf Nordwestkurs. Nachteil war, dass die Wellen am Nordkap von Bornholm abgelenkt wurden und nahe der Insel genau von vorn kamen. Eine nasse Angelegenheit. Aber das Wasser ist schön warm☺. Als wir das Nordkap erreicht hatten, bekamen wir erwartungsgemäß die ganze Wucht des Windes und der Wellen zu spüren. Wir überlegten kurz umzudrehen und nach Allinge abzulaufen. Entschieden uns aber dagegen. Der Tag war noch jung, das Wetter schön und Spaß hatten wir zudem auch noch. Dann überlegten wir, wie es wohl in Hasle zugehen würde. Bestimmt Mega-Brandung und Schwell im Hafen. Keine schönen Aussichten. Also zoomten wir am Kartenplotter solange raus, bis wir die schwedische Küste sehen konnten. Unser Kurs hoch am Wind fiel genau auf Käseberga. Dort wollen wir sowieso hin. Andererseits hoch am Wind bei 6 Bft scheinbaren Wind und 2 m Welle... macht ja auch nicht so viel Spaß.

Mit leicht geöffneten Schoten konnten wir Skillinge sehr gut anliegen und kamen obendrein auch noch im perfekten rechten Winkel – also vorschriftgemäß – durch das Verkehrstrennungsgebiet zwischen Schweden und Bornholm. Und auf diesem relativ engen Seeweg, der mit Rechtsverkehr wie eine mehrspurige Autobahn organisiert ist, war wirklich einiges los. Erst gingen 5 Frachter Richtung Osten vor uns durch. Null Problemo. Dann kamen wir in die neutrale Zone zwischen den Fahrbahnen. Vor uns gingen 4 Frachter nach Westen hindurch und überholten sich dabei sogar noch. Der fünfte war für uns der gefährlichste. Er fuhr mit über 20 kn relativ nah am "Mittelstreifen“. Wahrscheinlich wäre er 50 m vor uns durchgegangen, aber wir haben sicherheitshalber eine Wende gefahren und sind so parallel zum Verkehrsfluss allen Gefahren aus dem Wege gegangen. Bestimmt war es der selbe Frachterkapitän, der mich mal auf der Elbe angezeigt hat, weil ich 200 m vor ihm seinen Weg gekreuzt hatte ... Er hätte ja etwas nach rechts ausweichen können, wollte sich aber lieber rächen ...

Kurs BornholmDie 41,2 sm haben wir am Ende in knapp 7 Stunden zurückgelegt, also fast 6 kn im Schnitt. Damit waren wir sehr zufrieden. Am nächsten Morgen (Donnerstag, 22.August) war fast nichts mehr von dem starken Westwind übrig. Nur ein laues Lüftchen kam uns entgegen. Also starteten wir unseren Volvo und tuckerten nach Käseberga. Dort befindet sich Ales Stenar, die größte und bekannteste schwedische Steinsetzung aus der Wikingerzeit. Die Steine sind in Form eines Wikingerbootes gesetzt und sind so ausgerichtet, dass zu Mittsommer die Sonne genau am Heck untergeht und mittschiffs auf Backbord wieder aufgeht. Die Steinsetzung könnt ihr wunderbar auf Google-Earth sehen: ca. 55°22,8 N / 14°02 E. Nach einer Stunde hatten wir genug gesehen. Inzwischen wehte eine leichte Brise. Wir lösten die Leinen, stießen SUB DIVO von der Kaikante ab und setzten noch im Hafen die Genua. Ganz ohne Motor glitten wir – zu anerkennenden Blicken anderer Segler – aus dem Hafen. Kurz darauf hissten wir das Groß und begaben uns westwärts auf die Kreuz. Leider reichte der Wind nur für anderthalb Stunden. Den Rest des Tages bis nach Abbekas durften sich Olaf und Gustav wieder die Arbeit teilen.

OSTWIND !!!
Wie auf Bestellung hat sich über Nacht eine wunderbare, scheinbar mehrtägige Ostwindlage eingestellt. Dazu auch noch mit netten 4 Bft. Super, lecker, fantastisch. Zwar haben wir – wie ihr vielleicht schon gemerkt habt – durchaus auch Spaß am Am-Wind-Segeln, aber: Mit Rückenwind fällt doch alles leichter, oder? Wir starteten mit Groß und Genua. Eine halbe Stunde später setzten wir auch noch den Spi dazu, das erste mal allein mit Laura. Auf dem Meer vor Südschweden wimmelte es vor "Heimfahrern", welche die nette Backstagbrise nutzten, um Strecke zu machen. Wir gehörten zu den schnellsten. Ursprünglich wollten wir nach Skanör am südwestlichsten Zipfel Schwedens um uns noch einmal mit der AURIGA II zu treffen, aber weil wir genau auf Klintholm zusteuern konnten, sendeten wir eine Abschieds-SMS an Kai und Antje und stürmten unserem Ziel entgegen. Der Wind nahm zu. Wir wurden noch schneller, bei ca. 100° Wind-Einfallswinkel, also ganz schön hoch für den Spi. Ich erklärte Laura, wie wir den Spi nachher bergen werden und was zu tun ist, falls wir einen Sonnenschuss fahren.

Eine Stunde später war es dann so weit. SUB DIVO wollte in einer Böe anluven und als alles Gegensteuern nichts mehr half, der Einfallswinkel bereits unter 80° gefallen war und wir ordentlich zu krängen begannen, lief alles wie am Schnürchen. Spi-Schot auf. Abfallen. Klar bei Spi-Fall. Laura angelt sich die Spi-Schot, ich lasse den Achterholer und das Fall langsam kommen. Laura stopft den Spi in die Spi-Tasche. Als ob wir noch nie etwas anders gemacht hatten. Klar war das ganz schön riskant und es hätte auch schief gehen können, aber mein Vertrauen in das Boot, meine und Lauras Fähigkeiten ist groß genug um das Risiko einzugehen. Anschließend ging es mit fast 1 kn weniger Fahrt vergleichsweise ruhig bei schönster Abendsonne an den Kreidefelsen von Mön vorbei in den gut gefüllten Hafen von Klintholm.

Kreidefelsen von MönObwohl wir uns ja ganz eindeutig auf dem Heimweg befinden, fühlt es sich gar nicht so an. Jeder Tag ist anders. Jeder Hafen ist anders. Dazu das schöne Wetter und super super Wind. So macht Segeln auch nach 12 Wochen noch unendlich viel Spaß. Heute, Sa. 24.08., war wieder so ein super Segeltag. Der nette Ostwind hatte über Nacht noch etwas aufgedreht und kam nun mit 20 kn daher. Böen erreichten auch gern mal 24 kn. Ich entschied mich, heute nur mit der Genua zu starten, eine gute Entscheidung. Zwar rollten wir kräftig in den 2,5 m-Wellen, machten aber auch gute Geschwindigkeit und liefen vor allem nicht Gefahr, eine Patenthalse zu fahren. Groß und Vorsegel hätte nicht geklappt, weil der Wind zu weit von achtern kam und Spi mit Groß wollten wir heute nicht. Wie schon gestern, versuchten Laura und ich uns gegenseitig zu übertrumpfen, wenn wir mal wieder in Gleitfahrt gerieten. Gestern hatte sie gewonnen, heute ich, mein Vmax lag bei 8,99 kn. Nach 2,5 h hatten wir dann genug von der Schaukelei und sind in den Grönsund – dem Sund zwischen den Inseln Falster und Mön - abgebogen. Wellen gab es hier keine mehr, dafür Strömung. Teilweise schob sie uns mit über 3 kn, so dass wir über Grund oft über 10 kn liefen – fast wie auf der Elbe. Die Landschaft floss an uns vorbei, dann fuhren wir unter der Hängebrücke zwischen Falster und Bogö hindurch und gelangten schließlich nach Vordingborg. Direkt am Ufer gibt es dort einen Bootsausrüster mir eigenem Anleger. Dort wollten wir endlich eine neue CO2 Patrone für die Schwimmweste kaufen. Außerdem hatte sich Besuch angemeldet. Lauras (Halb-)Schwester Lissy wird die nächsten beiden Tage mit uns segeln.

 

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