05. Juni - 80 Seemeilen ostwärts

Mittwoch. Um 6:00 h klingelt der Wecker, nur leider hört ihn niemand. Ich habe Ohropax gegen die Schnarch- und sonstigen Geräusche in den Ohren und Hans und Jörg haben’s wohl mit denselben. Immerhin wacht Hans um 6:20 h auf und schmeißt uns raus. Katzenwäsche, Wasser kochen, Kuchenbude abbauen und los.

Aufsee1Um 7:35 h verlassen wir Nexö. Es ist schon warm. T-Shirt würde reichen. Auf See müssen wir uns wieder richtig einpacken, trotz des nur leichten Windes ist es sch...-kalt. Der Wind kommt aus NO mit gerade mal 5 Kn = 2 Bft. Wir laufen mit Maschine gut 5 kn. Erst mal Frühstücken.

Stunden später stabilisiert sich scheinbar eine Brise mit 7 kn. Wir versuchen zu segeln, aber hoch am Wind laufen wir nur um die 4 kn. Für die 75 sm auf Dauer zu langsam. Wieder kommt die Maschine zum Einsatz und dazu unser Mitarbeiter des Tages: Gustav der Autopilot. Das Spiel mit ab- und wieder zunehmenden Wind, mit Segeln und Maschinenfahrt wiederholen wir noch ein paar mal. Am Ende lassen wir nicht nur das Groß oben, sondern auch die Fock. So schaffen wir wenigstens 6,5 kn, ohne die Maschine zu hoch drehen zu lassen. Hans und Jörg tauchen ganz in ihre Romane ab. Ich genieße einfach nur die Weite der See. Stundenlang ist kein Land in Sicht. Auch andere Schiffe sind rar. Wellen gibt es kaum, aber es steht noch eine langgestreckte Dünung von etwa einem halben Meter. Man sieht die Wellenberge eigentlich erst, wenn sie direkt bei uns sind. Das Wasser ist herrlich blau, der Himmel auch. Schade, dass es so kalt ist.

Aufsee2Gegen 19:30 h erreichen wir die Nord-Ost-Begrenzung des militärischen Sperrgebietes vor der polnischen Küste. Jetzt noch 15 sm, direkt auf Land zu. Die Sonne senkt sich tiefer und tiefer. Das Land kommt scheinbar gar nicht näher. Gleich berührt sie die Wasseroberfläche. Ohne Zischen und Dampfwolken verschwindet sie im Meer. Unser GPS sagt: noch eine Stunde. An Land tauchen die ersten Lichter auf. Auch der Leuchtturm von Ustka sendet sein Signal. 30 min. vor unserer Ankunft nehme ich per Funk Kontakt mit Ustka Traffic-Control auf. Mann, ich hätte echt besser beim Englischunterricht aufpassen sollen. Letztlich schaffen wir es aber, alle notwenigen Informationen auszutauschen und bekommen einen Liegeplatz im Kohlenhafen zugewiesen. Dort liegen noch ein paar Yachten. Wir sollen längsseits an einem Boot unserer Wahl festmachen.

Ein kurzer Landgang bestätigt, was wir schon ahnten. Hier ist der Hund begraben. Infrastruktur für Yachties gibt es so gut wie gar nicht, und der einzige WC-Container ist verschlossen. Egal. Schnell noch ein paar Brote und ein Schlummertrunk und ab in die Koje...

 

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