30. August - Wieder zu Hause

Rauschefahrt
Am Mittwoch, 28.August 2013 um 17:15 h habe ich nach zwölfeinhalb Wochen das erste mal wieder deutschen Boden betreten, und zwar an ziemlich genau der selben Stelle, an der ich am 02.Juni 2013 um 11:35 h abgelegt habe. Hinter mir liegen 2.037 sm oder 3.770 km Ostseewasser, welches ich mit meinen Crews auf SUB DIVO durchsegelt habe. Gebraucht haben wir dafür 406:25 Stunden, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,01 kn entspricht. Segeln konnten wir 283:30 Stunden, das sind 70% der Gesamtzeit. Den Rest, also 122:55 Stunden bzw. 30% haben wir mit Maschine zurückgelegt. Auf dem Kurs haben wir uns in acht Ländern aufgehalten, haben vier Hauptstädte besucht, sind auf 31 verschiedenen Inseln oder Schären gewesen. Haben endlose Strände und ungezählte Schären gesehen, und viele viele nette Menschen getroffen.

Soviel zur Statistik. Nun aber erst mal zurück zu den Segelerlebnissen der letzten Tage.

Als wir am Samstag, 24.August um 15:40 h direkt am Yachtausrüster in Vordingborg anlegen, hat dieser schon längst geschlossen. In Dänemark werden die Bordsteine sehr früh hochgeklappt, insbesondere am Wochenende. Na ja, ein Versuch war es trotzdem wert. Mit Maschine tuckern wir in den Stadthafen. Die Gewässer sind hier ziemlich flach. Selbst innerhalb der betonnten Rinnen haben wir häufig unter 2 m Wassertiefe. Nach Karte soll es etwas mehr sein. Entweder hat sie der Wasserstand durch den starken Wind geändert oder es wächst hohes Seegras, so dass unser Echolot falsche Signale erhält. Wie auch immer, den Grund berühren wir nicht. Wie verabredet trifft Lissy am Abend um 21:43 h in Vordingborg ein. Wir holen sie am Bahnhof ab und begleiten sie an Bord.

Laura hängt das Backstag wieder einNach einem ausgiebigen Sonntagsfrühstück starten wir bei 4 Bft aus Ost erst mal nur mit der Genua. Kurz nach der Eisenbahnbrücke zwischen Seeland und Lolland setzen wir das Groß dazu. Jetzt laufen wir 6,5 kn bei glatter See. Wir würden ja schneller sein, wenn wir den Spi setzen... Nachdem ich Laura und Lissy davon überzeugt habe, dass bei Vor-Wind-Kursen der Spi-Stress-Faktor deutlich kleiner ist, als bei Halb-Wind-Kursen wie auf unser Etappe von Abbekas nach Klintholm, darf ich den Spi setzen, soll aber selber steuern ☺. 10 Minuten später ist die Genua geborgen und die große graue Halbkugel schwebt vor dem Mast. Wir laufen jetzt gut 1 kn mehr. Je weiter wir westwärts kommen, desto mehr nimmt der Wind zu und eine schöne gut 1,5 m hohe Welle baut sich von achtern auf. Die Surfsaison ist eröffnet. Es macht einen Heidenspaß und auch die beiden Mädels bekommen leuchtende Augen, als erst die 10 kn, dann die 10,5 kn und schließlich die 11 kn Marke in langen Surfs überschritten wird. Höchstgeschwindigkeit des Tages: 11,2 kn. Leider hat sich kurz darauf Seegras in unserem Log verfangen, so dass wir nicht mit Bestimmtheit sagen können, ob da noch mehr drin war. Als wir etwas anluven müssen um die Ansteuerung nach Omö zu erwischen, bergen wir den Spi und segeln die letzten 3 sm nur mit dem Groß. Der Wind hat inzwischen auf 5-6 Bft aufgedreht und in der Welle die angeschlagene Genua gegen die Fock zu tauschen wollen wir uns heute ersparen.

Auch am Montag hielt das phantastische Segelwetter an. Wir hatten – wie die letzten 3 Tage - strahlend blauen Himmel, ca. 25°C und Ostwind um die 4 Bft. Besser geht nun wirklich nicht. Unser Kurs führte uns westwärts von Omö zur Nordspitze Langelands. Dort angekommen ging’s links ab bis vor Lohals. Um nicht auf Grund zu laufen, gibt es dort eine kleine Rinne zwischen den Sandbänken. Für uns ein kurzer Rechts-Links-Schwenker und weiter ging’s südwärts bis zur Südostecke von Fyn. Die meiste Zeit saß Lissy, unsere Segelnovizin, am Ruder und hat den Tagesrekord gejagt. Mit Genua und Groß kam sie immerhin auf 9,3 kn. Die Einfahrt in den Svendborgsund habe ich dann übernommen und uns gemütlich in den Stadthafen von Svendborg geführt. Der Bahnhof befindet sich gleich neben dem Hafen und so konnte Lissy ihren Zug zurück nach Flensburg planmäßig und ohne langes Suchen erreichen.

Auch am Dienstag schien der Wettergott es gut mit uns zu meinen. Bei ähnlichen Bedingungen wie an den Tagen zuvor, legten wir in Svendborg ab. Kurz nach dem Segelsetzen kam aber dann doch etwas von oben. Nein, kein Regen. Wir hatten ein Backstag beim Segelsetzen ausgehakt. Kann schon mal passieren, war aber auch das erste Mal seit dem wir das Boot haben. Also, noch mal kurz anlegen. Wenige Augenblicke später saß Laura im Bootsmannsstuhl und ließ sich von mir in den Mast ziehen. Schnell das T-Terminal in den dafür vorgesehenen Schlitz gesteckt, um 90° gedreht und mit Klebeband gesichert und schon ging es für sie wieder abwärts. Eine neue Erfahrung für Laura, schöne Aussicht inbegriffen. Noch am Steg konnten wir das Groß – dieses mal ganz sutje an den Backstagen vorbei – setzen und legten schließlich ab.

Anfangs mussten wir einige Passagen im Svenborgsund genau gegen den Wind, aber dazwischen und danach war wieder schönes Segeln mit halben Wind angesagt. Leider ließ der Wind immer mehr nach. Unter der Brücke bei Rudköping hatten wir dazu auch noch 2 kn Gegenstrom. Trotz zeitweiser Maschinenunterstützung versuchten wir weiter zu segeln, setzen südlich der Brücke sogar den Spi, aber der Wind wollte nicht, begann zu drehen, und tat dann seinen letzten Atemzug genau von vorn. So durfte Olaf der Schwede den Rest der Arbeit erledigen. In Marstal auf Ærø angekommen konnte Laura sich erstmals im Anlegen üben. Es hat alles auf Anhieb geklappt. Wir wollten dann noch Baden gehen, fanden am Südstrand aber keine geeignete Stelle, um über die Unmengen an Seegras und Steine zu kommen. Außerdem hatte der starke Ostwind der letzten Tage das Wasser ganz schön durchgemischt. Gefühlt war es deutlich unter 18°C. Am Abend konnten wir uns dann das Montags-Live-Spiel von St.Pauli gegen Dresden ansehen. Ein schönes Spiel mit vielen spannenden Momenten, insbesondere in den letzten 20 Minuten, in denen erst Dresden in Führung ging und Pauli kurz darauf den Ausgleich schoss. Durch ein Freistoßtor 18 Sek. nach seiner Einwechselung schoss uns Meier dann in Führung. Kurz danach hielt Tschauner auch noch einen Elfmeter der Dresdener. Echt klasse.


Mittwoch, 28.August 2013
Wie vorhergesagt, ist es windstill. Die Sonne scheint etwas trübe vom blassblauen Himmel. Um 10:45 h führt uns Laura aus dem Hafen von Marstal. Wir folgen den Fahrwassern und können schließlich auf Kurs Kiel gehen. Gustav, unser Autopilot, übernimmt das Steuern. Laura liest ein Buch und schaut alle paar Minuten nach dem Rechten. Ich packe meine Taschen. Krame aus den entlegensten Winkeln des Schiffes Klamotten, Ausrüstungsgegenstände und die wenigen verbliebenen Lebensmittel. Ist ein Schapp leer, wische ich es aus. Staubsaugen können wir nur bei Landanschluss, aber das hatten wir heute morgen schon erledigt. Zwischendurch schäle ich uns ein paar Karotten zum Knabbern und vierteile Äpfel. Die See ist und bleibt spiegelglatt. Wir knüpfen die Gastlandflaggen der besuchten Länder aneinander, 7 Stück, die von Estland habe ich verliehen, bekomme ich im September per Post zurück, hoffentlich. Wir hissen die Flaggen unter der Steuerbordsaling. Auf Backbord hissen wir BALTIK RUND 2013 mit Flaggen aus unserem Flaggenalphabet.

Um 12:45 h kommt ein Funkspruch. Die deutsche Bundesmarine will um 13:00 h eine kontrollierte Unterwassersprengung durchführen. Wir vergleichen die Positionsangabe mit der unseren. Kein Problem, ist weit genug weg. Um 12:59:50 senden sie dann den Countdown. Kein Wumm. Keine Welle. Alles bleibt ruhig. Wenig später meldet sich die Marine wieder. Sie würden jetzt vor der Eckernförder Bucht Schießübungen durchführen. Am Horizont sehen wir einige Marineschiffe. Kein Problem, ist weit genug weg. Wir tuckern unseren Kurs. Die Flottille kommt näher, immer näher, geht scheinbar hinter uns durch. Dann drehen sie auf uns zu, kommen jetzt von hinten auf uns zu, Fregatte WIESBADEN vorne weg. Die dreht weiter, gibt Gas und fährt um die ganze Flottille herum. Wir liegen jetzt genau auf Kurs der FRANKFURT und der ELBE, Abstand 0,75 sm, Kurs 181,5° – sagt mein AIS. Wir laufen 200°. Vorsichtshalber ändere ich unseren Kurs parallel zum Geschwader. Kein Funkspruch, kein nichts. Wir sind mitten drin. Blödes Spiel. Das geht bis kurz vor Kiel weiter so. Die halten uns wohl wegen der grauen Rumpffarbe für ein Marineschiff. Na ja, wenigstens benutzen sie uns nicht als Zielscheibe. Vielleicht haben sie ja auch unsere Flaggenbotschaft gelesen und eskortieren uns jetzt heim...

unsere Eskorte

15:30 h - wir fahren ca. 100 m am Leuchtturm Kiel vorbei. Ich versende an Conny und Holger eine SMS: Ankunft 17:10 h. In der Strander Bucht segeln ein paar Boote. Dort scheint eine leichte Brise zu wehen. Wir haben immer noch Totenflaute.
16:50 h - wir passieren den Leuchtturm Friedrichsort.
17:03 h - das Telefon klingelt. Holger beschwert sich, dass wir zu spät kommen. Hat wohl die SMS nicht gelesen. Wir passieren das Ehrenmal von Möltenort.
17:08 h - wir laufen in den Hafen von Möltenort ein. Conny und Holger winken. Nach einer kleinen Runde mit Fotoshooting suchen wir uns einen freien Liegeplatz und reichen um
17:15 h - Conny die Festmacherleinen an den Steg. Wenig später kommt noch Karl, um uns zu begrüßen. Wir sind wieder da.

Da geht es nach Hause

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